PetCube – Big Mama is watching…


PetCube

Position erhöht, gutes Tageslicht

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich mich für einen in vielerlei Hinsicht spannenden Produkttest beworben und gewonnen habe. Ich durfte – oder vielmehr darf – die PetCube Camera testen – eine inovative Möglichkeit, seine Tiere von unterwegs über eine App auf dem Handy zu beobachten und mit ihnen zu interagieren. Das Basis-Modell bringt einige nützliche Feature mit: eine Kamera mit Zoom-Funktion, einen Laser, eine Sound-Funktion sowie einen Bewegungssensor. Was genau das alles bedeutet, lest ihr in diesem Artikel.

Warum das Ganze?!

Wie die meisten wissen, bin ich als mobile Verhaltensberaterin mit dem Fachgebiet „Katze“ tätig und unterstütze dabei häufig Fälle, in denen sich zwei oder mehrere Katzen nicht (mehr) verstehen, unsauber sind bzw. markieren oder ein anderes Verhalten zeigen, welches wir mit Hilfe von Trainingsmaßnahmen verändern möchten. In einem Haushalt mit mehr als einer Katze, ist es dabei oft gar nicht so einfach herauszufinden, welche der Katzen das Problemverhalten zeigt bzw. es auslöst. Ist es Paulchen, der immer ins Wohnzimmer pieschert oder Cookie? Wie läuft die Vergesellschaftung, wenn die Halterin nicht direkt im Zugriff ist? Fragen, die manchmal nur schwer zu beantworten sind. Manche Kundinnen setzen Web-Cams ein, mit denen sie ihre Katzen in Abwesenheit beobachten. Die meisten Web-Cams sind dafür allerdings nur bedingt geeignet.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist mir selbst die letzten Wochen begegnet. Eine meiner Katzen hatte eine große Wunde am Schulterblatt und musste über mehrere Wochen eine Art „Geschirr“ tragen, um die Wunde vor Lecken und Kratzen zu schützen. Die ersten Tage wollte ich sehen, wie sie mit dem Geschirr klar kommt und ob sie es auch anbehält. Zwei Mal in dieser Zeit kam es vor, dass sie es abgestreift hat. Ich habe es über die Kamera gesehen und bin mit fliegenden Fahnen nach Hause gefahren, um das Schlimmste zu verhindern. Auch nach einer OP konnte ich so besser die Aufwachphase beobachten, ohne die Kleine direkt zu stören. Es ist also – neben der Neugier, was die kleinen Schätze in unserer Abwesenheit treiben – ein durchaus nützliches Tool in der Haltung – wobei das nicht für alle Funktionen gilt (erläutere ich später).

Screenshot - mittlere Lichtverhältnisse

Screenshot – mittlere Lichtverhältnisse

Die Geräteausstattung

Kamera: Die Kamera hat einen verhältnismäßig großen Winkel, weiter als die meisten Web-Cams und überblickt je nach Standort einen ganzen Raum. Die Qualität der Aufnahmen ist akzeptabel, wobei ein solides Tageslicht schon wichtig ist, um wirklich scharfe Aufnahmen zu machen. Jetzt in der Herbst- und Winterzeit ist das Bild häufig „kriselig“, aber immernoch gut erkennbar. Neben des reinen „Anschauens“ der Katzen, kann man sowohl Videoaufnahmen machen als auch Fotos. Beides ist in der Qualität entsprechend der jeweiligen Lichtverhältnisse eingeschränkt. Screenshots über das Handy haben nach meinem Eindruck eine etwas bessere Qualität als ein Bild über die App-Funktion.

Funktionen: Neben Bild- und Videoaufnahmen kann man einen Laser über die Steuerungsapp bedienen. Man kalibriert zunächst dessen Fokus und kann dann mit seinem Tier spielen. Ich selbst habe diese Funktion ohne Katze getestet und sehe den Einsatz am Tier kritisch. Einerseits gibt es zwischen der Steuerung über die App und der tatsächlichen Laser-Bewegung einen kleinen Zeitverzug, sodass man nie sicher sein kann, wohin man mit dem Laser trifft (im Zweifel eben doch mal in die Augen des Tiers). Andererseits kann man auf die Entfernung keinerlei Belohnung einflechten, was beim Laserspiel für mich absolute Grundvoraussetzung ist. Die Katze kann den Laser nie tatsächlich fangen. Das Spiel endet also immer mit einem Frustrationserlebnis – es sei denn, der Halter lenkt den Laser z.B. auf ein zuvor verstecktes Leckerchen oder gibt selbst die entsprechende Belohnung. Beides entfällt über den PetCube (zumindest in der Basis-Version). Diese Funktionalität lehne ich daher ab und habe sie entsprechend nicht näher getestet.

Screenshot - Dämmerung

Screenshot – Dämmerung

Ebenso nur eingeschränkt zu empfehlen ist die Möglichkeit der Sprachfunktion des Cubes. Man kann über das Handy mit dem Tier sprechen, es rufen etc. Auch hier gibt es einen kleinen Zeitverzug und die Stimme klingt verzerrt und blechern. Sie sorgt nicht nur aufgrund der Verzerrung für Verwirrung, sondern auch durch die Tatsache, dass die Katze ihren Menschen vergeblich sucht – er ist schließlich nicht zuhause. Sinnvoll war und ist diese Funktion höchstens im Notfall, wenn das Tier bspw. von seiner aktuellen Handlung unterbrochen werden soll. Ich selbst habe bspw. meine Katze kurz über die Kamera gerufen als sie sich das Geschirr ausgezogen hatte. Sie war sichtlich überrascht, ging zur Kamera, schnuffelte und unterbrach damit das „Arbeiten am Geschirr“. Ich habe damit wertvolle Zeit zum Heimkommen gewonnen. Da wir sechs Wochen mit einer offenen Wunde kämpften, war der Nutzen in diesem Moment für mich größer als der Schaden. Es ist aber unbedingt abzuwägen. Natürlich ist dieser Effekt nur bedingt nachhaltig und auch dessen Sinnhaftigkeit ist eher zweischneidig aus den o.g. Gründen. Zum „Einfach mal hallo“-Sagen oder für die gezielte Interaktion zwischen Tier und Halter in dessen Abwesenheit – so wie der Hersteller wirbt – halte ich es für nicht sinnvoll.

PetCube Care: Die bisher beschriebenen Funktionen sind über eine App nutzbar und müssen zunächst manuell aufgerufen werden. Man wählt sich über das Programm auf den Cube daheim ein und schaut, was dort grade passiert. In meinem Fall konnte ich die ersten Tage daraufhin die Frage beantworten, wo sich meine Katzen tagsüber NICHT aufhalten. 🙂 Immer, wenn ich mich eingewählt hatte, war keine Katze zu sehen. Dann gab es Tage, in denen ich dachte, meine Katzen seien zu Statuen mutiert, weil sie sich über Stunden scheinbar nicht bewegten. Ich war entzückt als sich Polly erstmalig aufrichtete, umdrehte… und in der anderen Richtung wieder ablegte. Sie lebte! 🙂

Wer nicht auf gut Glück immer wieder schauen und Standbilder beobachten möchte, kann ein Abo buchen (PetCube Care). Mit dieser Funktion schickt die App der Halterin eine Nachricht, wenn sich etwas im Kamera-Radius bewegt und zeichnet das für 30 Tage auf. Man startet mit einer 30-tägigen Free-Trial und rutscht dann nahtlos in ein Abo, welches mit ca. 10 $ pro Monat zu Buche schlägt. Da ich bei Abos ein wenig vorsichtig bin, habe ich diese Funktion noch nicht getestet und auf mein gutes Timing gezählt. 🙂 Prinzipiell finde ich aber auch diese Idee gut, wenn bspw. eine kranke Katze beobachtet werden soll oder ein „Wildpinkler“ identifiziert werden soll.

Sonstiges: Über die Handy-App kann  man sich nicht nur auf seinem eigenen Cube einwählen, sondern diesen für die Community freigeben oder sich auf freigegebenen anderen Cubes einwählen und so auf der ganzen Welt – richtig – Standbilder und „Wo-sind-die-Tiere-nicht“-Aufnahmen ansehen. 🙂 Es ist ganz witzig und tatsächlich schaue ich immer mal wieder bei dem einen oder anderen User, was deren Hunde oder Katzen so treiben (meistens nicht viel 😀 ).

Die Installation

Theoretisch ist die Installation kinderleicht – mit einem kleinen Haken. Die Kamera kommt als hübscher Würfel daher, an den man lediglich das Netzkabel steckt und es entweder direkt abstellt oder z.B. auf ein Kamera-Stativ schraubt. Ist der Cube an einer Stromversorgung angeschlossen, leuchtet ein Lämpchen an dessen Unterseite, von dem man sich einbilden könnte, es sei grün. Man freut sich, denn laut Beschreibung kann man bei grüner Lampe eine WLAN-Verbindung aufbauen. Die einzelnen Schritte sind in einem sehr übersichtlichen Manual beschrieben. Einzig – ich scheiterte X Mal daran, dass ich eben keine Verbindung zu unserem WLAN aufbauen konnte.

Hier kommt der Haken: Laut Hersteller ist die Farbe, die man beim Anschluss des Cubes sieht, nämlich gelb. Man findet leider in der Anweisung keinen einzigen Hinweis darauf, dass dieses „hellgrün“ eigentlich „gelb“ ist und man einen kleinen Knopf an der Kamera so lange drücken muss bis ein saftiges grün erscheint. Erst dann kann sich die Kamera mit dem WLAN verbinden. Es hat mich tatsächlich Stunden (und Nerven) gekostet bis ich diese Lösung im Internet gefunden haben, obgleich offenbar nicht wenige User anfänglich über dieses Problem stolpern. Hat man das „echte“ Grün ein Mal gesehen, erkennt man den Unterschied deutlich – aber eben erst dann. Hat man diese Hürde genommen, muss man sein WLAN für einen kurzen Moment allen Angriffen dieser Welt Preis geben – sprich: hat man ein geschütztes WLAN, muss man dieses zunächst öffnen, damit sich der Cube verbinden kann. Ist die Verbindung einmalig hergestellt, kann man die MAC-Adresse (die eindeutige ID des Geräts) in seiner Routerliste eintragen und sich fortan tatsächlich total simpel und stabil einwählen. Hat man sein WLAN nicht geschützt, wählt sich der Cube einfach ein und ist ab dann verfügbar.

Weitere Varianten

Aktuell kündigt der Hersteller eine neue Version an (für Anfang 2017): PetCube Bites, mit dem man zusätzlich über die App Leckerchen auswerfen kann. Das könnte vielleicht ein nützliches Gadget sein, wenn man seinem Tier in seiner Abwesenheit eine zusätzliche Beschäftigung anbieten möchte. Man könnte – wenn das Tier nicht im Raum ist – ein Leckerchen auswerfen, welches es auf seinen Erkundungstouren finden kann – ähnlich einem Futterparcours, den man auslegt, um seinen Minitiger zu beschäftigen. Als direkte Belohnung sehe ich es eher kritisch. Man kann es wiederum nicht zeitgenau auswerfen, womit eine gezielte Belohnung eher fraglich ist. Andereseits könnte die eine oder andere Fellnase (ich denke da z.B. an meinen kleinen Fressstaubsauger Polly) auf dumme Ideen kommen, inwiefern man die Kamera knacken und damit an noch mehr Leckerchen kommen könnte. Also, ich müsste mir diese Funktion etwas genauer ansehen, mache für den Moment ein kleines Fragezeichen daran.

Fazit

Insgesamt sehe ich insbesondere bei der „Überwachungsfunktion“ in bestimmten Situationen einen Benefit in der Kamera und habe sie bereits zwei Kundinnen empfohlen (die sie für eine Zusammenführung tatsächlich auch bereits genutzt haben). Hier erfüllt die Kamera gleich zwei Zwecke:

1. Die tatsächliche Überwachung, wenn man z.B. bei einer Zusammenführung kurz die Wohnung verlässt und direkt einschreiten möchte, falls doch etwas schief läuft oder aber ein unerwünschtes Verhalten beobachten und aufzeichnen zu können, um die „richtige“ Katze zu therapieren und die Situation exakt beurteilen zu können.

2. Das Gefühl der Sicherheit, jederzeit einschreiten zu können. Man kann Übungen entspannter begegnen, was sich wiederum positiv auf die Katzen auswirkt. Im Krankheitsfall kann ich von mir selbst bestätigen, dass ich wesentlich gelassener arbeiten gehen konnte, weil ich wußte, dass ich in maximal 30 Minuten vor Ort sein kann, falls etwas sein sollte. In kritischen Phasen habe ich die App eingewäht und das Handy vor meinen Monitor gelegt, sodass ich ich jederzeit sehen konnte, was daheim passiert (hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Babyphone).

Die übrigen Funktionen halte ich doch eher für fragwürdig bis sogar schädlich und werde dies bei evtl. Empfehlungen entsprechend dazu sagen.27

Preislich ist die Kamera sicherlich kein Schnäppchen. Das von mir getestete Modell liegt derzeit zwischen 200 und 250 € – ein stolzer Preis, wobei ich meine, dass der Cube vor Weihnachten deutlich unter 200 € gekostet hat.

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Meine Fachartikel jetzt bei McMiez.de:  http://cattalk.de/Beratung-Services/Fachartikel

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