Reha 3 – Risiken & Nebenwirkungen


LotteMittlerweile neigt sich meine dritte Reha-Woche so langsam ihrem Ende entgegen. Ich hatte zahlreiche Anwendungen – vor allem die Moorpackungen tun mir sehr gut. Manchmal liege ich mit der Moorpackung auf Bauch und Rücken auf der Liege und es fängt ganz heftig in meinem Bauch zu krachen an. Ich merke ganz deutlich, wie das Moor „arbeitet“. Oftmals breitet sich wiederum einfach nur eine wohltuende Wärme in meinem Körper aus und ich merke wie sich alles entspannt. Wärme ist und bleibt mein bester Freund – und das Moor hat dabei eine ganz besonders langanhaltende und durchdringende Wärme. Da nehme ich den etwas gewöhnungsbedürftigen Geruch und die ewig schwarzen Fußnägel gern in Kauf.

Insgesamt ging es mir die letzten Tage nicht so gut. Ich kämpfe wieder mit stärkeren Bad Schmiedeberg FrühlingSchmerzen und musste dagegen das eine oder andere Mal mit Schmerzmitteln ankämpfen, weil nichts des hier Gelernten wirklich geholfen hat. Es ist ganz ungewohnt und fast befremdlich, dass meine Endo-Mädels meine Schmerzen sofort sehen und auf mich eingehen – egal, wie gut oder schlecht ich es überspiele. Daheim kann das nur mein Mann und auch er hat – naturgemäß – einen gewissen Abstand dazu. Meine Endo-Mädels scheinen mir direkt in die Seele zu sehen und das ist ungewohnt, aber gleichzeitig wohltuend.

Die Schmerzen der letzten Tage, die vielen Gespräche und die Ruhe „mit mir selbst“ lassen allerdings auch langsam die Erkenntnis in mir reifen, dass ich mich wohl langfristig mit der Krankheit und den Schmerzen auseinandersetzen muss. Irgendwie redete ich mir die ganze Zeit ein, dass es „irgendwann mal gut ist“ – am besten direkt nach der letzten OP bei „DER“ Kapazität zu der Erkrankung. Wenn einer das gut könne, dann wäre das mein Prof und da ja von den betroffenen Organen nur noch sehr wenige in meinem Bauch sind, seien die Schmerzen und Beschwerden von nun an der Vergangenheit geweiht. Hier lerne und spüre ich, dass dem wohl nicht so ist und ich allein schon durch die mehrfachen OPs zumindest mit den Verwachsungen immer werde leben müssen und dass offenbar auch noch genug in meinem Bauch ist, das mir erneute Endo-Herde bescheren kann und vielleicht auch schon tut. Es ist ein schwerer Prozess für mich, dass mein „Augen zu und durch“-Motto bei dieser Erkrankung wohl nur bedingt der richtige Weg ist. Ich beginne, mich mit den Konsequenzen der Endo wirklich auseinander zu setzen und setze Stück für Stück eine Strategie für mich zusammen. Dabei wächst gleichzeitig die Sorge, wie meine Umwelt und mein Alltag sich gestalten wird, wenn ich wieder daheim bin. Hier ist alles so schön in einer Käseglocke und lässt sich wunderbar planen – während die Welt um uns herum so weit weg zu sein scheint.

Bad Schmiedeberg FrühlingErst jetzt habe ich den Eindruck, dass ich langsam zur Ruhe komme und mich wirklich mit der Thematik auseinandersetze – mit allem, was dazu gehört. Daher schiebe ich mein Heimweh und die Sorge, dass „meine“ Endo-Mädels schon am Dienstag abreisen weitgehend zur Seite und nehme mir Zeit für meine eigene Krankheitsbewältigung. Es fühlt sich richtig an und mein Körper gibt mir mit seinen Schmerzen auch immer wieder einen Impuls, den Prozess nicht in der Mitte abzubrechen. Es braucht seine Zeit. Es lässt sich nicht beschleunigen, und auch wenn ich schon immer auf die eine oder andere Weise krank war – zum Teil auch lebensbedrohlich krank – so scheint diese Krankheit doch eine andere Tragkraft zu haben, weil sie am wenigsten steuerbar für mich scheint und mein Leben für mich ein Stückweit unberechenbar macht.

Heute Morgen waren die Schmerzen wieder besonders stark. Ich konnte kaum aufrecht laufen und die fünf Stockwerke vom Speisesaal in mein Zimmer waren mit dem Druck auf meine Organe eine besondere Herausforderung. Nun aber sitze ich dick eingemummelt mit einer Wärmflasche bewaffnet und sichtlich entspannt auf meinem Balkon und lasse die Sonne auf mich scheinen. Ich fühle mich wohl – trotz Schmerzen. Ich bin zufrieden – trotz Schmerzen. Das ist wohl die Kunst, trotzdem zufrieden zu sein und nicht mehr zu wollen als das.

Die vergangenen Tage habe ich mich immer wieder gefragt, was ich in meinem Alltag Bad Schmiedeberg Frühlingantworten werde, wenn man mich fragt, ob es mir gut geht oder ob ich wieder „fit“ bin (besonders beliebt ist bei mir auch die Frage, ob ich wieder „gesund“ bin, denn das werde ich vermutlich nie sein). Mich ärgern diese Fragen regelrecht, weil sie mich in den Konflikt bringen, mein Gegenüber mit der Wahrheit zu überfordern oder aber selbst zu lügen. Jetzt denke ich mir aber, ich könnte ja mit einem „ich bin zufrieden“ oder ähnlichem antworten. Das beruhigt mein Gegenüber und lässt mir offen, mich und andere nicht anzulügen. Verstehen wird es ohnehin kaum jemand wie es mir wirklich geht und was soll ich andere damit dann belasten?!

Das alles scheint so ein bisschen unter „Risiken und Nebenwirkungen“ für mich zu laufen. Man wird sich bewusst, wie sehr sich das Leben verändert und was die Erkrankung so alles bedeuten kann…

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9 Antworten zu Reha 3 – Risiken & Nebenwirkungen

  1. engelundteufel schreibt:

    Hallo Carmen,
    alles was du schreibst ist so nachvollziehbar und wir wünschen dir so, dass du mit deiner Endo leben kannst, auch wenn sie dir weh tut. Wir wünschen dir alle Kraft der Welt auch wieder außerhalb der Käseglocke klar zukommen.
    Schnurrer Engel und Teufel

  2. endokat schreibt:

    Hallo liebe Leidensgenossin 🙂 Wir haben sehr viel gemeinsam, Endometriose und ich war vor genau 2 Jahren in Bad Schmiedeberg. Finde mich in deinen Sätzen wider, wie gesagt, wir haben viel gemeinsam! Besuch mich doch mal auf meinem Blog? Endokat@blogspot.de!
    Wünsche dir alles Gute auf deinem weiterem Weg, bleib stark!
    Liebe Grüße
    Katja Uttinger

    • Hallo Katja,
      vielen Dank für dein Feedback. Auf deinem Blog gehe ich auf jeden Fall stöbern. Vielleicht ergibt sich ja ein Austausch?! 🙂 Hab‘ dich auch schon in Facebook gesehen.
      Liebe grüße
      Carmen

  3. Elke schreibt:

    Hallo, liebe Carmen,

    ich wünsche dir einen maximalen Reha-Erfolg, wenn man es so sagen kann, und dass du
    für dich etwas Positives mit nach Hause nehmen kannst.
    Ich wünsche dir alles, alles Gute!!!

    Liebe Grüße von
    Elke

    • Hallo Elke,
      danke dir für deine lieben Wünsche. Ich nehme eine ganze Menge mit nach Hause – u.a. auch tolle Kontakte, die mich hoffentlich auch nach der Kur an das Erlernte erinnern. 😉
      Liebe Grüße
      Carmen

  4. Moorhexe schreibt:

    Liebe Carmen, ich weiß, wie schwer und schmerzhaft das alles für dich ist, ich kann dir leider nicht helfen, so gern ich das tun würde. ..ich gebe dir alle Kraft mit, auf deinem Lebensweg. Und geh immer nach dem Motto, was ich nicht mehr bekommen kann weiß ich. Ab jetzt lebe ich. Ich hab dich so gern.

  5. Nanni schreibt:

    Carmen, ich drück dich mal ganz fest!!! Und genieße dei Zeit, die Ruhe, tanke so viel Krfat wie es geht! HDL Steph

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