Silvester-Schrecken: Jetzt vorbeugen


cleoBesonders wer sein Heim mit Haustieren teilt, steht dem alljährlichen Silvesterböllern mindestens zwiegespalten entgegen (wenn nicht gar gänzlich ablehnend). Es ist jedes Jahr das Gleiche: während der Mensch (freude)trunken auf den Straßen knallt und schießt, sitzt das verstörte Kätzlein oder der bellende Hund panisch unter dem Bett. Bei vielen reicht auch schon der allgemeine Trubel in der Nacht, um das Fellchen völlig durcheinander zu bringen.

Wie es verschiedene Einstellungen zum Knallen und Feiern als solches gibt, gibt es auch verschiedene Meinungen dazu wie man mit der Angst seines vierbeinigen Gesellen umgehen sollte. Manche meinen, nur Ignorieren wäre das einzig Wahre, da man sonst die Angst der Tieres nur weiter bestärkt. Wenn der große Mensch den kleinen Freund trösten muss, dann muss ja etwas ganz Fürchterliches passiert sein. Das klingt soweit logisch. Allerdings gibt es auch die gegenteilige Meinung, dass nämlich niemand besser Trost spenden könnte in dieser für das Tier tatsächlich beängstingenden Situation als sein großer Begleiter, der Mensch.

Ungeachtet dieser Verhaltensvorschläge gibt es auch auf dem Pülverchen- und BelindaTiegelchen-Markt so einiges zum Thema Silvester zu entdecken. Von Bachblüten über verschiedene Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Zylkène) bis hin zu „echten“ Psychopharmaka. Es ist alles dabei! Wer nun glaubt, ich würde all diese Mittel verteufeln und ein magisches Silvester-Schreck-Weck-Dingelchen aus dem Mantel zerren, – der irrt.

Nach meiner persönlichen Einschätzung haben (fast) all diese Mittel bei gut bedachtem und am besten noch mehrfach erprobtem Einsatz durchaus ihre Berechtigung. Man sollte m.E. immer „harmlos“ und natürlich anfangen und schauen, was hilft. Ist es vielleicht schon erträglich, wenn man dem Vierbeiner ein ganz besonders kuscheliges und schützendes Plätzchen mit Mamas getragenem (und damit beruhigend riechenden) Shirt unter das Bett oder im Schrank oder einem anderen Lieblingsschutzort hinlegt? Hilft es, wenn Mama immer mal wieder nach dem Wuffel schaut, wenn er den Weltuntergang erwartend unter dem Bett liegt? Übrigens vermute ich, dass es bei Hunden tatsächlich gut helfen könnte, wenn der Rudelführer ein, zwei beruhigende Worte mit einer mitfühlenden Geste „hinterlässt“ (so lange er nicht den Eindruck vermittelt, die Welt würde tatsächlich gleich untergehen und man würde sozusagen die letzten Worte miteinander wechseln). Bei Katzen würde ich sagen, dass der individuelle Charakter ganz arg entscheidend ist. Katzen sind keine Rudeltiere und haben daher auch kein Standardprogramm für ein Gruppengefühl. Da gibt es Einzelgänger, denen man mit Knuddeleinheiten in dieser Extremsituation sicherlich keinen Gefallen tut. Wiederum gibt es aber auch Mamas Lieblinge, die sehr wohl ruhiger werden, wenn sie in Angstsituationen gebobbelt werden. Bei meiner Polly würde es z.B. sicherlich helfen, wenn ich ihr die Augen zuhalten würde (das klappt beim Tierarzt ganz hervorragend). Sie ist dann nämlich einfach nicht mehr da. 😉 Dafür müsste ich sie aber erst mal damit aus der Fassung bringen, mich zu ihr weeiiiit unter das Bett zu zwängen und sie dann anfassen – was sie in dieser Situation eher als Enge empfinden würde. Wie auch immer. Bei Katzen ist es – wie sooft – ein wenig komplizierter mit dem Trösten. Hier ist das Feingefühl des Halters ganz besonders wichtig.

Polly NaseHelfen das Schnuffelshirt, der ruhige Platz (mit runter gelassenen Rolladen natürlich) und ein paar nette Worte nicht mehr, kann man überlegen, ob man z.B. mit Bachblüten arbeitet (damit habe ich zwar auch bereits Erfahrungen, aber nicht zu Silvester) oder bspw. mit dem schon erwähnten Zylkène. Dieses Nahrungsergänzungsmittel beinhaltet ein verarbeitetes Milchprotein, das Alpha-Casozepin, welches einem Stoff in der Milch ähnelt und beruhigen soll (übrigens ist auch die menschliche Empfehlung, bei Schlafmangel ein Glas warme Milch zu trinken, genau diesem Stoff zuzuordnen). Die Meinungen zu dem Mittel gehen – wen wundert’s – auseinander. Es gibt Menschen, die schwören drauf (ich 🙂 ) und andere, die es nicht tun. Mir ist ein einziger Fall bekannt, bei dem die Katzen durch dieses Mittel laut Halterin irgendwie „rammdösig“ wurden, – wobei das bei diesem Einzelfall ebenso ein anderer Faktor gewesen sein kann – oder es war eine allergische Reaktion, die bei nichts und niemandem gänzlich auszuschließen ist. Allgemeinhein kenne ich keine negativen Auswirkungen – schließt man die Möglichkeit aus, dass das Mittel einfach gar nichts bewirkt. Wichtig ist, dass man es etwa ein bis zwei Wochen vor dem angsterfüllten Ereignis zu geben beginnt – also allerspätestens JETZT und wie ich kürzlich gelernt habe, ist auch die Dosis von Tier zu Tier etwas unterschiedlich zu betrachten. Die Standard-Dosis für eine Katze beträgt eine Kapsel pro Tag – auf ein bis zwei Mal gegeben. Die Kapseln sind zwar ziemlich groß, können aber entweder aufgedreht und über das Futter gegeben oder aber dem Miezekatzerl zum Knabbern gegeben werden. Meine beiden lieben die Dinger jedenfalls – selbst Mäkel-Cleo. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie sie auf die Kapseln beißen und sie tatsächlich fein säuberlich zerkauen und das in der Gegend rum gepustete restliche Pulver fein säuberlich aufschlabbern.

Wir kommen ganz hervorragend mit der Standarddosis zurecht. Mir sind aber auch Fälle Schlafmaus Knöpfleund Therapeuten bekannt, bei denen die doppelte oder sogar dreifache Menge im Einsatz ist. Ich bin da ja immer etwas vorsichtig und starte mit so wenig wie möglich. Die doppelte Menge allerdings dürfte tatsächlich noch ok sein, da ein anderes Präparat (Sanatranquillakt) aus dem Humanbereich (ja, man kann das auch selbst einwerfen) direkt mit 150 mg pro „Portion“ daher kommt und auch Katzen gegeben wird. Übrigens braucht man keine Angst bei dem Wort „Milchprodukt“ zu haben. Hier wird nämlich nicht die ganze Milch in Kapseln gegeben, sondern nur ein Milchbestandteil – und das ist praktischerweise nicht der mitunter unverträgliche Stoff (Laktose).

Auf „echte“ Psychopharmaka möchte ich hier nicht näher eingehen und sie nur der Vollständigkeit halber erwähnen. Es gibt tatsächlich Fälle (der Hund meiner Mutter ist so einer), bei denen man im wahrsten Sinne des Wortes zu Drogen greifen muss. Das Tier ist in diesen Fällen so außer Rand und Band, dass es keine – für das Tier! – erträgliche andere Methode gibt. Auch diese Mittel müssen aber in der Regel einige Tage vor Silvester gegeben werden und bitte auch nur nach einer gründlichen Allgemeinuntersuchung, damit nichts Unvorhergesehenes passiert. Nichts desto trotz sollte man als Halter auch nicht vor diesen Medikamenten zurückschrecken. Es sind doch „Psychomittel“. Ja, das sind sie und man sollte sie bestimmt nicht leichtfertig einsetzen (da appelliere ich vor allem auf die Vernunft der Halter – denn Tierärzte können Ihr Tier nun wirklich nur bedingt einschätzen). Ist jedoch eine Indikation gegeben und ein natürliches Mittel zeigt keine Wirkung, dann steht es m.E. auch jedem Tier zu, eine adäquate medizinische Versorgung zu erhalten – und das beinhaltet mitunter auch diese Medikamente. Auch die Tiermedizin ist in dieser Hinsicht mittlerweile deutlich weiter gekommen. Einzig in den Köpfen der Halter – und mitunter auch Tierärzte – ist diese Möglichkeit noch nicht angekommen (oder leider manchmal auch falsch, wenn z.B. bei Unsauberkeit einfach mal Psychopharmaka anstelle einer Ursachenbekämpfung verordnet wird, aber das ist ein anderes Thema).

Ich hoffe, meine Gedanken helfen dem einen oder anderen Leser und seinem Fellpuschel, das anstehende Geböller gut zu überstehen und freue mich wie immer über Feedback.

Zylkène kann man hier bestellen oder bekommt es auch (erfahrungsgemäß allerdings etwas teurer) beim Tierarzt.

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2 Antworten zu Silvester-Schrecken: Jetzt vorbeugen

  1. engelundteufel schreibt:

    Hallo Carmen und Polly,
    wir wünschen euch einen guten Rutsch ins neue Jahr, auch wenn die olle Knallerei nicht zu umgehen ist.
    Viel Gesundheit und Glück für euch!
    Schnurrer Engel und Teufel und
    Omi Elke, die heute bei uns feiert

    • Huhu,
      euch auch viel, viel Glück und Gesundheit im neuen Jahr!
      Klein-Cleo weint jetzt leider ganz bitterlich, weil ihr sie vergessen habt. *schnief*
      Bekommt sie jetzt einen Extra-Schmatzer?
      Liebe Grüße
      Carmen

Schnurr mir was...

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