Manchmal geht alles schief


Gerysanto HillaryEs gibt so Phasen, in denen das Bedürfnis, sich mit hoch gezogener Decke ins Bett zu legen und abzuwarten, dass es irgendwie von alleine wieder besser wird, immer größer wird. Da ist man erst guter Dinge, glaubt, dass das Leben doch nicht so fies ist wie man bisher immer dachte und BAMM! bekommt man links und rechts ordentlich eins um die Ohren. Natürlich beschränken sich die Backpfeifen dann auch nicht nur auf ein Thema, sondern gleich auf mehrere und man weiß gar nicht, wie man sich nun am besten weg ducken kann…

So weiß ich aktuell gar nicht, welche Baustelle ich als Erstes beackern soll. Unser Auto wurde bei einem simplen Reifenwechsel in der Werkstatt so ordentlich versemmelt, dass wir von einem Schaden im fünfstelligen (!!!!) Bereich sprechen. Natürlich fühlt sich dafür aber keiner verantwortlich. Aus unserer naiven Gutgläubigkeit heraus könnten wir nun auch auf den Kosten sitzen bleiben. So oder so sind weder mein Mann noch ich gut darin, solche Streitigkeiten auszuhalten – denn so offen und kritikfähig wir auch sind, sind wir in solchen Situationen immer wieder wie gelähmt und fassungslos über die Skrupellosigkeit unserer Umwelt. Die Situation zerrt dermaßen an unseren Nerven, dass wir aufpassen müssen, es nicht aneinander auszulassen. Das klappt mal besser – und mal schlechter.

Parallel dazu versuche ich verzweifelt, für gerysanto_1zwei ältere Pferde einen Gnadenhofplatz zu finden. Sie leben – übrigens ihr ganzes bisheriges Leben schon – auf einem traumhaften kleinen Hof, der aber von jetzt auf gleich geräumt werden muss (ja, ihr ahnt es schon, es ist auch Wilmas Zuhause, aber sie ist schon gut untergracht…). Das Ultimatum steht: bis zum 30. April ein neuer Halter oder die Tiere kommen zum Schlachter. Der Schlachter ist dabei keineswegs eine Bequemlichkeit der Halterin, sondern vielmehr der tatsächlich allerletzte Ausweg. Einerseits kann man zwei ausgewachsene Pferde schlecht mal eben mit ins Wohnzimmmer stellen, um sich ein wenig mehr Zeit zu verchaffen. Andererseits würde die Halterin lieber eine „finale Lösung“ eingehen als die Tiere eben nicht gut untergebracht zu wissen. Eine Einstellung, für die es sicherlich eine ganze Menge Mut benötigt, weil man sich nicht nur der z.T. massiven Kritik anderer aussetzt, sondern „nebenbei“ auch noch mit seiner Entscheidung selbst leben muss. Die Halterin liebt ihre Tiere sehr. Das konnte ich vor zwei Tagen erleben als ich bei ihr war, um Aufnahmen der Pferde zu machen. Der Schritt fällt ihr – so oder so – nicht leicht, aber manchmal nimmt das Leben eine wirklich dreckige Wendung.

hilary1So suche ich also verzweifelt über das mir so gewogene Internet nach einer neuen Bleibe. Die Pferde sind alt, nicht mehr reitbar und dann will man sie „auch noch“ in gute Hände abgeben – zusammen. Eine denkbar ungünstige Kombination… Mit jedem Tag zerfällt meine Hoffnung um ein Scheibchen mehr, aber ich will die beiden einfach nicht aufgeben.

Ganz „nebenbei“ erreichte mich auch noch die Nachricht, dass es Nicky – dem Diabeteskater aus Wuppertal – zusehends schlechter geht. Er hat eine Pankreatitis und jüngst nun auch noch den Verdacht auf FIP. An Letzteres mag ich noch gar nicht so recht glauben, weil die Flüssigkeitsansammlung in seinem Bauch sehr gut auch von der Pankreatitis kommen kann und dann zumindest eine etwas bessere Aussicht wäre als FIP. Nicky ist sicherlich schon in betagtem Alter und hat in den letzten vier Jahren ein wunderschönes Leben bei seiner Dosi genossen. Trotzdem tut mir der Gedanke in der Seele weh, dass er sich vielleicht nun bald ins Regenbogenland verabschieden könnte. Noch gebe ich aber auch hier die Hoffnung nicht auf und fiebere mit jeder Mail, die ich bekomme, mit und denke immer wieder an den süßen Schatz und dass er sich wieder berappelt…

Im Büro steppt auch mal wieder der Bär und unser Haus sieht aus wie – na ja, lassen wir das lieber…. Durch zwei Schulungstage in der letzten Woche, in denen ich den ganzen Tag unterwegs war, hat sich die Arbeit bis an die Decke gestapelt und so jongliere ich derzeit zwischen Erschöpfung und Aktionismus. Nebenbei – und da bin ich wirklich stolz auf mich – gehe ich doch tatsächlich alle 3-4 Tage schwimmen. Auch wenn ich mich teilweise schon wirklich dazu aufraffen muss und letztes mal auch „nur“ 32 Bahnen geschafft habe, tut mir beide2das Schwimmen in mehrfacher Hinsicht total gut. Die körperliche Auslastung lässt mich trotz aller Sorgen etwas besser schlafen, powert mich so aus, dass ich automatisch etwas ruhiger werde (allerdings wirkt das Gelpad vor meiner Tastatur teilweise auch eine echt magische Anziehungskraft aus) und ich fühle mich im Wasser geradezu „aufgefangen“ und lasse mich mitunter einfach auch nur bewusst treiben. Es tut mir gut und so will ich das unbedingt beibehalten. Das Fahrradfahren habe ich ebenfalls für mich wiederentdeckt und so war ich diese Woche schon zwei Mal mit dem Fahrrad unterwegs. Nie sehr lange oder weit, aber immerhin. Es läuft – im wahrsten Sinne des Wortes…

An meine Blogleser möchte ich ein kleines Lebenszeichen aussenden mit der Bitte um Verständnis, wenn ich etwas unregelmäßiger blogge und mit der noch viel größeren Bitte, vielleicht auch Augen und Ohren für einen Gnadenplatz offen zu halten. Manchmal geschehen doch auch Wunder, nicht wahr?!

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6 Antworten zu Manchmal geht alles schief

  1. Katja schreibt:

    Liebe Carmen,
    mir fällt spontan die Kellerranch in Weiterstadt ein. Aber dort hast du bestimmt schon nachgefragt oder?
    LG Katja

  2. Vera Schwab schreibt:

    Hallo Carmen,
    bitte mal beim Tierrefugium Hanau (www.tierrefugium-hanau.de) nachfragen, die haben auch alte/kranke Pferde auf ihrem Gnadenhof in Hanau. Ich bin dort schon seit einiger Zeit Mitglied, da die Tierschutzarbeit hervorragend ist. Vielleicht gibt es dort eine Option…an alles andere erst mal gar nicht denken!
    LG, Vera

  3. Charlotte schreibt:

    Liebe Carmen, auch wenn das kein Trost ist: ich kenne das, dass meistens gleich alles auf einmal zusammenkommt, wenn es dick kommt. Ich schicke Dir ganz viel Kraft und Energie, um das alles durchzustehen. Auf jeden Fall finde ich super, dass Du Deine Schwimm- und Radfahreinheiten durchziehst!!! Bei der Story mit dem Auto konnte ich nur den Kopf schütteln: wie schafft es bitte eine Auto-Werkstatt, ein Auto beim Reifenwechsel zu zerstören? Das ist ja schon unglaublich. Was die Pferde betrifft: hat die Besitzerin bereits verschiedene Gnadenhöfe angeschrieben? Z.B. auch Gut Aiderbichl? Es muss eine furchtbare Vorstellung sein, Tiere, die man liebt, zum Schlachter zu geben, weil es keine andere Lösung gibt…
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Charlotte

    • Hallo Charlotte,
      danke dir für deine aufbauenden Worte und Wünsche. Ja, es ist wirklich ziemlich viel im Moment und so langsam kratzt es an meiner Substanz. Mein Studium liegt aktuell dadurch auch ziemlich brach. Als die aktuelle Lektion ankam und mehr als doppelt so umfangreich als die letzte war, habe ich sie vor lauter Schock erst mal weg gelegt. *lach* Auch eine Methode, den Druck noch ein bissel zu erhöhen.. *Augenroll*
      Das Ärgerlichste an der Reifengeschichte ist, dass der Schaden ein kleiner gewesen wäre, wenn diese Werkstatt von Anfang zugegeben hätte, dass sie das nicht können. Stattdessen haben sie es so verpfuscht, dass das ganze Geschichte Richtung „wirtschaftlicher Totalschaden“ geht. Fühlen sich aber nach wie vor nicht verantwortlich dafür… 😦
      Gnadenhöfe habe ich schon alle mir bekannten durch. 😦

Schnurr mir was...

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