Menschlicher Abfall – Recycling für Fortgeschrittene


MomoDer menschliche Abfall landet einfach überall: an Autobahnraststätten, in Müllcontainern, an Einkaufscentern und Supermärkten, am Straßenrand, vor Tierarztpraxen oder auch vorm Tierheim. Tierarztpraxen? Tierheim? Häh?

Ja, der „Abfall“, von dem ich schreibe, landet gerne – und im besten Fall, wie ich dazu fügen möchte – genau dort. Natürlich ist die Rede von Tieren, die irgendwann mal vermutlich sehr euphorisch angeschafft wurden und dann doch irgendwie nicht mehr passten. Ohne Rückgabegarantie oder einfach nur wegen fehlendem Rückrat des Menschen wurden sie dann irgendwie entsorgt. Still und heimlich, dass es keiner mitbekommt, aber vielleicht – wenn der Abfall wirklich Glück hat – zumindest so, dass er wieder recycelt werden kann. Klingt bitter? Ein wenig VERbittert? Mag sein, ja, aber genau so läuft es doch oder?!

Grade eben habe ich die Vermittlungsalben für das Darmstädter Tierheim Liese & Lotteaktualisiert, schneide die neusten Vermittlungsvideos zusammen und grüble an einem Text für einen Fundkater, der vermutlich ausgesetzt wurde. Es scheint sich zumindest bei uns derzeit wieder zu häufen, dass die Menschen sich ihrer Tiere einfach nur entledigen und nicht mal den A… in der Hose haben, sie in ein Tierheim zu bringen oder gar privat zu vermitteln und so lange noch die Verantwortung für die „lieben Tierchen“ zu übernehmen.

Sei es eine Gruppe von über 30 (!) Rennmäusen, die mal eben ausgesetzt wurden oder zwei Kaninchen, die man in einer Transportbox an der Autobahn „vergessen“ hat oder der kleine Kater Momo, der am Loop Darmstadt auch vermutlich ausgesetzt wurde und dort einen schlimmen Unfall hatte (Artikel folgt). Man könnte diesen Menschen unterstellen, dass sie ja „wollten“, dass man diese Tiere „findet“, aber wie oft geht diese Annahme schief? Die Rennmäuschen haben quasi gar nichts dem durchaus häufiger schlechten Wetter bei uns in der Region zuzusetzen und sind in Null Komma nix verstorben oder übelst krank, wenn sie irgendwo Draußen hingestellt werden. Die beiden Kaninchen hätten auch ebenso gut nachts erfrieren können oder sich wegen des Autobahnlärms so arg erschrecken können, dass ihnen das Herzchen stehen bleibt. Es sind immerhin Fluchttiere, die es sicherlich nicht prickelnd fanden, neben lärmenden Lastern in einer Box eingesperrt zu sitzen.

Liese & LotteBei Momo dachte man wohl, dass er schon sicherlich schnell gefunden würde, wenn man ihn an einem belebten Einkaufszentrum aussetzt. Dass er sich dort völlig verstört verkriechen und tagelang nicht freiwillig einfangen lassen würde, dachte man sich wohl nicht. Vermutlich dachte man sich auch nicht, dass er sich auch dann nicht einfangen ließe, wenn er wegen zwei völlig zertrümmerter Vorderpfoten nach einem Unfall kaum laufen kann. Nun – gedacht hat man wohl insgesamt nicht viel – und wenn, dann nur „es wird schon gut gehen“.

Nein, meine lieben Leute, es geht nicht schon irgendwie gut – zumindest nicht immer oder Rennmäusevielmehr viel zu selten. Sowohl die Kaninchen, als auch die Renner haben wirklich noch Glück im Unglück gehabt und wurden tatsächlich rechtzeitig gefunden. Bei Momo kämpfen die Ärzte und Pfleger noch darum, dass er seine Vorderpfoten behalten kann – und eine wirklich schlimme Entzündung überhaupt überlebt… Das stellt man sich unter „Recycling“ sicherlich erst mal nicht vor. Bittere Realität ist es trotzdem…

Hier sind zwei Videos von den ausgesetzten Kaninchen, Liese & Lotte: http://youtu.be/UBvqTr35Hl0 sowie den beiden Rennmaus-Gruppen: http://youtu.be/T2tIX4LOieo


Katze

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3 Antworten zu Menschlicher Abfall – Recycling für Fortgeschrittene

  1. Charlotte schreibt:

    *schluchz* Armer Momo!!! Mich macht das so wütend, wenn Tiere ausgesetzt werden. Und betroffen. Und am liebsten würde ich Leute, die so etwas tun, auch mal gerne aussetzen. *groll* Wann weisst Du denn, ob Momos Pfötchen gerettet werden können? Und was ist mit der Infektion? Was passiert, wenn er die Pfoten verliert? Muss er eingschläfert werden? Braucht Ihr Geld? Würde für Momo etwas spenden. Er schaut so traurig-lieb auf dem Foto.
    Meine beiden Fellnasen wurde als Baby ja auch in einer Mülltonne entsorgt. Robinson hat sich dabei beide Hinterbeine verletzt. Im einen hat er deswegen kein Gefühl mehr. Aber seit die beiden bei mir sind haben sie sich prächtig entwickelt: frech, munter und gefräsig. 🙂
    Ganz liebe Grüsse
    Charlotte

    • Liebe Charlotte,
      offen gestanden weiß ich nicht, was passiert, wenn er beide Pfötchen verlieren würde. Sicherlich gibt es einige Youtube-Videos mit Tieren, die zwei Beine verloren haben. Es ist aber immer eine Frage des jeweiligen Tieres. Letztes Jahr hatten wir z.B. einen Kater, der „nur“ ein Bein verloren hat – womit Katzen normalerweise ganz wunderbar zurecht kommen. Bei diesem Kater bin ich trotz seines wunderbaren Charakters zwischenzeitlich aber nicht mehr sicher, ob er wirklich ein lebenswertes Leben führt, weil er offenbar nach wie vor mit seiner Behinderung nicht zurecht kommmt.. Das ist immer ganz arg schwer…
      Wir hoffen jetzt einfach erst mal, dass alles gut geht. Eines der Beine ist ja schon mit Platten gerichtet worden und um das andere bemühen sich die Pfleger sehr. Am Freitag sah es nicht schlecht aus. Er bekommt natürlich auch Anitbiotika und so hoffen wir, dass alles gut verheilt. Wie sooft ist Geduld – und ganz viel Zuwendung – gefragt.
      Deine Frage mit einer Spende kann ich dir eindeutig mit JA beantworten. Die OP hat bisher soweit ich weiß über 2.000 € gekostet und wird nicht die einzige für ihn gewesen sein. Es wird dazu aber nochmal einen separaten Artikel geben vom Tierheim direkt. Ich würde mit einer evtl. Spende darauf warten. Du bist so lieb, Charlotte. Es ist so schön, von mitfühlenden Menschen umgeben zu sein – wenn auch manchmal nur „virtuell“. 😉
      Liebe Grüße
      Carmen

  2. Lisa schreibt:

    Der arme Momo. 😦 Kann auch nicht verstehen, wieso es sich manche Leute so einfach machen und lieber aussetzen, statt abgeben.

Schnurr mir was...

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