Cleos Kreuzbandriss – Achterbahn ist langweilig dagegen


Cleo OP

Nach der OP sollte die Wunde möglichst gekühlt werden.

Seit Mai diesen Jahres kämpfen wir gemeinsam mit unserem kleinen Zuckerpüppchen, Cleo, um ein einigermaßen schmerzfreies Leben und nachdem sich ihr Zustand nun offenbar stabilisiert hat, bin ich bereit, darüber zu schreiben und so vielleicht auch wieder dem einen oder anderen Dosi zu helfen, der einen ähnlichen Fall durchlebt.

Cleo hatte sich vermutlich an einem damals frisch installierten Kratzbaum in ihrem Freigehege das Kreuzband an einem ihrer Hinterläufe gerissen. Dieser „Kratzbaum“ ist ein gut und gerne 30 Jahre alter Apfelbaum aus unserem Garten, der seit einigen Jahren durch eine Krankheit keine genießbaren Früchte mehr trug. Er war schön groß, „katzenmäßig cool“ gewachsen und wurde schließlich für meine Fellchen „geopfert“.

Das corpus delicti...

Das „corpus delicti“ beim Aufbau…

Die kleinen Äste wurden direkt abgesägt, nur einige der großen Triebe behielten wir – zunächst – bei. Was wir damals nicht ahnten war, dass wir uns hier offenbar ein Unfallrisiko in den Hof brachten. Auch wenn wir es nicht selbst gesehen haben, vermuten wir doch, dass Cleo in den ersten Tagen mit dem neuen Baum abgestürzt und sehr unglücklich in einer der Astgabeln hängen geblieben ist. Vermutlich dabei zog sie sich einen Kreuzbandriss zu, den wir auf alle erdenklichen Arten zu behandeln versuchten.

Cleo als es ihr richtig dreckig ging :(

Cleo als es ihr richtig dreckig ging 😦

Wir suchten Rat bei unserer Haustierärzten, die uns Nahrungszusatzstoffe empfahl, um die Gelenke und den ganzen Bewegungsappart zu unterstützen. Neben der Instabilität durch das gerissene Band ist Arthrose das größte Problem bei dieser Verletzung. Durch die Reibung in dem betroffenen Gelenk kommt es auf kurz oder lang zu sehr schmerzhaften Entzündungen, die es möglichst schon im Keim zu behandeln gilt. Chondroitin, Glucosamin, L-Carnitin und Zeel sind seither Cleos tägliche – ziemlich unbeliebte – Begleiter. Eine Physiotherapeutin und eine Osteopathin behandelten die Kleine und zeigten uns verschiedene Übungen, wie wir ihre Muskulatur entspannen und gleichzeitig aufbauen könnten (vielleicht mache ich da mal bei Gelegenheit ein Video dazu). Magnetresonanzfeldtherapie, Homöopathie, tägliche Krankengymnastik und was weiß ich noch alles probierten wir durch. Auch ein nierenschädigendes, entzündungshemmendes Schmerzmittel probierten wir eine zeitlang aus, aber Cleo humpelte mal mehr und mal weniger deutlich durch ihre kleine Welt. An manchen Tagen durften wir sie überhaupt nicht mehr an der betroffenen Seite anfassen. Da waren ihre Schmerzen offenbar sehr schlimm. Wir waren verzweifelt… Das Wort „Operation“ hörten wir immer häufiger – mal als Empfehlung, mal als „völlig aussichtslos“.

Die ersten Wochen durfte sie nicht mal auf ein normales Katzenklo, weil es zu hoch war. Alternativ musste ein Tablett herhalten.

Die ersten Wochen durfte sie nicht mal auf ein normales Katzenklo, weil es zu hoch war. Alternativ musste ein Tablett herhalten.

Bei einem Routinebesuch in Hofheim wegen Cleos Herzgeräusch sprachen wir schließlich auch mit einem Orthopäden und ließen ein Röntgenbild machen. Dort war bereits eine mittelgradig ausgeprägte Arthrose zu sehen, was nach nur so kurzer Zeit nach dem Unfall keine gute Langzeitprognose erhoffen ließ. Man riet uns zur OP und stellte uns eine gute Heilungschance in Aussicht (und verschwieg dabei leider, dass auch nach einer OP meist einige Schäden zurückbleiben). Nachdem unsere Hausärztin die Röntgenbilder sah, riet auch sie zu einer OP – Cleo hätte ganz eindeutig deutliche Schmerzen und sei an sich in so guter Konstitution, dass man eine OP wagen könne.

Wir ließen sie also operieren, stellten uns auf mind. sechs Wochen Boxenruhe und schlaflose Nächte ein. Wir verhandelten mit dem Chirurg und ihrem behandelnden Internisten einen Kompromis zwischen Schmerzbehandlung und CNI und gaben sie in die Obhut der Ärzte. Die Kleine blieb über Nacht, weil man sie an einen Phentanyltropf legen wollte – ein hoch wirksames Opiat. Den Tag drauf nahmen wir unser Mäuschen wieder mit und erlebten die folgenden Wochen eine wahre Achterbahn mit diesem kleinen Leben. Anstelle der vermuteten Schwierigkeiten, Cleo in der Box zu halten, durchlitten wir verschiedenste Komplikationen. Ein Kreislaufzusammenbruch, eine schlimme Wundheilungsstörung und eine blutige Gastritis waren nur drei der Sorgen, die uns Cleo bereitete. Mehr als ein Mal bereiteten wir uns darauf, uns für immer von der Kleinen zu verabschieden. Es war wirklich eine sehr schwere Zeit für uns alle, in der mein Mann und ich uns mehrfach fragten, ob es die richtige Entscheidung gewesen war… Cleo so sehr leidend zu sehen, war eine große Belastung. Die Kleine schien sich zeitweise selbst aufgeben zu wollen, weshalb wir sogar ein Antidepressivum in Betracht zogen, es wegen ihrer Nieren aber zunächst mit einem homöopathischen Mittel (Neurexan) versuchten und ganz gute Erfolge damit hatten.

Während der Boxenruhe durfte sie nur unter Aufsicht mit Leine im Zimmer laufen. Sie genoss jeden Sonnenstrahl, den sie erhaschen konnte.

Während der Boxenruhe durfte sie nur unter Aufsicht mit Leine im Zimmer laufen. Sie genoss jeden Sonnenstrahl, den sie erhaschen konnte.

Ständig in Kontakt mit Hofheim, unserer Haustierärztin und der Osteopathin meisterten wir irgendwie diese schlimme Zeit und da Cleo vom ersten Tag der OP verhältnismäßig gut lief, hatten wir Hoffnung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Doch kurz vor dem letzten Kontrolltermin bekam ich ein schlechtes Gefühl. Cleo humpelte wieder deutlich mehr und mir klangen die Worte der Ärtzin deutlich in den Ohren als ich sie fragte, woran wir erkennen würden, dass das Band wieder gerissen sei „Sie wird wieder deutlich schlechter laufen“. So war ich zwar erschüttert, aber doch wenig überrascht als es bei der letzten Kontrolluntersuchung hieß „Das Band ist wieder gerissen“. Die Option einer zweiten OP kam für uns jedoch überhaupt nicht in Frage und so nahmen wir unsere Kleine wieder mit nach Hause. Die folgende Zeit zerfraßen mich Gewissensbisse, dass ich nicht auf Cleo gehört hatte. Bis kurz vor der OP hatte ich den Eindruck, als wolle sie mir sagen, dass sie nicht operiert werden möchte. Ich schob es aber weg, weil ich ihr mit der OP wenigstens die Chance auf ein schmerzfreies Leben geben wollte.

Cleo OPDie Wochen vergingen und es gab Tage, an denen sie mal mehr und mal weniger humpelte und Tage, an denen es meinem Mann und mir in der Seele weh tat, die Kleine so zu sehen. Sie hatte keine „5-Minuten“ mehr, in denen sie mit einem Affenzahn durchs Haus raste und/ oder ihre Schwester jagte. Sie nutze keine Ecken mehr, an denen sie sich wie eine kleine Matrix-Katze abstieß, um schneller um die Kurve flitzen zu können. Stattdessen lief sie meist wie ein alter Greis stark humpelnd los, um sich nach ein paar Metern zu fangen und jeder Versuch, etwas schneller zu laufen, wurde durch ein heftiges Humpeln unterbrochen und die Kleine setzte sich erst mal wieder hin. Es war wirklich schlimm. 😦

Rotlicht hat sie in dieser Zeit geliebt und dann auch ihr verletztes Beinchen von sich gestreckt

Rotlicht hat sie in dieser Zeit geliebt und dann auch ihr verletztes Beinchen von sich gestreckt

Vor ein paar Tagen – vielleicht eine Woche oder zwei – bemerkte ich aber wieder eine Veränderung. Erst so unauffällig, dass ich es nicht so recht wahrnehmen wollte. Dann aber deutlicher, aber noch immer traute ich mich nicht, es auszusprechen. Nun aber platzte es wirklich aus mir heraus: Cleo läuft wieder besser! Es gibt Momente, in denen sie richtig rund läuft – meist, wenn sie schön langsam geht und sich nicht beeilt. Aber es gibt auch Phasen, in denen sie wieder schneller laufen kann und auch ihre Schwester wurde seit Monaten mal wieder ordentlich durchs Haus gejagt. 🙂 Gestern Morgen schließlich zeigte sie es uns überdeutlich, dass sie – trotz leichten Humpelns – offenbar zumindest schmerzfrei ist. Sie raste mit angelegten Ohren und spielerischem „Mau Mau“ durch unser Freigehege. Sie sprang auf die höchsten Bretter, flitzte über das Fenstersims und hin und her und rechts und links. Es war eine helle Freude, dass ich richtig Freudentränen habe während ich das Erlebte schreibe. Unser Mäuschen kann sich wieder schmerzfrei bewegen und auch wenn ihr vermutlich auf kurz oder lang eine Arthrose in dem verletzten Bein bevor steht, so haben wir ihr nun doch offenbar nochmal eine schmerzfreie oder wenigstens nahezu schmerzfreie Zeit schenken können. Ich bin so dankbar, dass es nicht in Worte zu fassen ist.

Als ich einen Naturfilm ansah, hat Cleo für einen Moment wie gebannt mitgeschaut.

Als ich einen Naturfilm ansah, hat Cleo für einen Moment wie gebannt mitgeschaut.

Cleo bekommt weiterhin täglich ihren Doping-Cocktail und soll dies auch lebenslang weiter bekommen. Die Mobilität in den Gelenken und eine kräftige Muskulatur sind der entscheidende Faktor für sie, dass ihr Beinchen bestmöglich erhalten bleibt. Zwischenzeitlich habe ich zusatzfreie Präparate gefunden, die ich ihr auch hinsichtlich ihrer CNI bedenkenlos geben kann. Das war übrigens gar nicht so leicht, weil das Internet zwar voll ist mit allerlei Mittelchen, aber die meisten enthalten irgendwelche gut gemeinten Zusatzstoffe, die aber nicht immer so gut sind wie man meinen möchte. 😉 Das Chondroitin und Glucosamin beziehe ich mittlerweile von Vitalsis während das L-Carnitin von Lillys Bar stammt. Leider schmecken Chondroitin und Glucosamin ziemlich bitter, sodass ich es Cleo täglich aufgelöst mit einer Spritze eingeben muss. Es gibt auch Tabletten, die sehr gerne angenommen werden und bei meinem Affiliat-Partner bezogen werden können. Das Produkt heißt Seraquin, enthält jedoch einige Zusatzstoffe – u.a. zwei Zuckerformen, die ich gerne vermeiden möchte. Auch das enthaltene Kalziumstearat ist mir schlussendlich etwas suspekt. Ich hatte das Produkt gekauft, weil auf der Webseite nicht alle Inhaltsstoffe angegeben waren und es Cleo sogar ein paar Tage gegeben. Sie liebte die Tabletten, aber mir war das Risiko dann einfach zu groß, ihr etwas zu geben, was vielleicht ihre Nieren schädigen könnte. Klar, Cleo mag die Spritze überhaupt nicht, lässt es aber bisher gut über sich ergehen.Cleo OP

Einige meiner Blog-Leser haben mit mir über Cleos Hochs und Tiefs gemailt und haben mir in dieser schlimmen Zeit sehr viel Kraft gegeben. Auch dafür bin ich dankbar und bin mir sicher, dass sie sich genau so über diese Zeilen freuen werden wie ich es tue. 🙂 Es war nicht umsonst… 😉

Hier ist übrigens ein kleines Video wie ich mit Cleo ihre Physioübungen nach der OP gemacht habe: http://youtu.be/UoaQ4f9_osU   So toll wie in dem Video klappte es im Laufe der Genesung nicht immer und irgendwann hatte sie einfach gar keine Lust mehr darauf. Wir ließen uns daraufhin Übungen zeigen, die wir quasi einfach nebenbei mit ihr machen konnten, ohne dass sie es wirklich mitbekam. Mit einer großen Portion Einfühlungsvermögen und Geduld ist erstaunlich viel möglich. Man muss sich mitunter aber auch wirklich einiges einfallen lassen, um die tierischen Patienten bei Laune zu halten. 😀 Demnächst möchte ich noch einen Artikel veröffentlichen, was wir vorbereitend für die Zeit in der Box nach der OP alles getan haben. Durch eine gute Vorbereitung war die Zeit im Käfig für Cleo bei Weitem nicht so schlimm wie bspw. nach ihrer Bauch-OP, wo wir sie völlig unvermittelt in einem Käfig „eingesperrt“ haben.

Erst am Tag der OP erfuhren wir, dass Cleo sich in dem Käfig nicht aufrichten darf. Während wir also ihren "richtigen" Käfig umbauten, musste die Kleine in einem Hasenkäfig warten. :(

Erst am Tag der OP erfuhren wir, dass Cleo sich in dem Käfig nicht aufrichten darf. Während wir also ihren „richtigen“ Käfig umbauten, musste die Kleine in einem Hasenkäfig warten. 😦

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3 Antworten zu Cleos Kreuzbandriss – Achterbahn ist langweilig dagegen

  1. Christina schreibt:

    So schön, dass es nun endlich eine Wendung zum Positiven gibt! Fast hätten wir da nicht mehr dran geglaubt… Was ist Cleo für ein lieber Schatz – ich habe mir dein Video mit den Physioübungen angeschaut. Die hast du ja ganz geschickt als Liebkosungen getarnt… 😎
    Ich wünsche euch ein wunderbares neues Jahr 2014, Glück, Gesundheit und Zufriedenheit – dass Cleo sich weiter so gut erholt und mit Polly bei euch ein weiteres, von Liebe erfülltes, glückliches Lebensjahr verbringen darf.

    Ganz liebe Grüße von Christina

    • hihihi… Hab‘ ich denn was anderes gemacht als Liebkosungen? 🙂

      Ja, wir sind hier auch alle mächtig froh und dankbar für diese neue Entwicklung. In 2014 blicke ich zuversichtlich – nicht blauäuig, aber positiv. 😉

      Alles Liebe
      Carmen

  2. Guido schreibt:

    Schön, dass es doch einen Lichtblick gibt. Wir hoffen Ihr hattet schöne Weihnachten und wünschen Euch auf diesem Weg einen guten Rutsch

Schnurr mir was...

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