Nachdenklich


PollyGestern war für uns ein wirklich schwarzer Tag. Nicht nur das Wetter wollte den ganzen Tag scheinbar alles dafür tun, um für depressive Stimmung zu sorgen. Nein- auch die Nachrichten, die wir erhielten, gaben uns einen Dämpfer nach dem anderen. Zum einen waren wir mit Cleo nochmal in Hofheim, um über den aktuellen Therapie-Verlauf hinsichtlich ihres Kreuzbandrisses zu sprechen (ja, wir laborieren immer noch damit rum). Leider scheinen alle bisherigen und zum Teil für Mensch und Tier sehr anstrengenden Maßnahmen erfolglos gewesen zu sein und Cleo gilt seit gestern mehr oder minder als austherapiert (oder besser: die verbliebenen „Möglichkeiten“ kommen für uns nach aktuellem Stand nicht in Frage). Alle Sorgen, Mühen und z.T. lebensbedrohlichen Komplikationen während des Therapieverlaufs der letzten Zeit waren offenbar umsonst und so fuhren wir gestern mit einem dicken Kloß im Hals wieder nach Hause.

Die zweite Hiobsbotschaft erreichte uns gestern Nachmittag als Pollys aktuelles Blutbild eintraf. Nachdem ihre Nierenwerte Ende August bei der letzten Kontrolle wieder im oberen Normbereich angekommen waren, rauschte ihr Krea-Wert nun von 1,7 auf 2,4 hoch (max. 1,8) und wir waren erst mal ratlos und wie vor den Kopf geschlagen. Was hat sich in den letzten Wochen verändert? Was konnte diese Verschlechterung auslösen? Polly bekommt das gleiche Futter, die gleichen Medikamente, die gleichen Infusionen – augenscheinlich hat sich nichts verändert und doch… Ich grübelte den ganzen Tag und sprach lange mit unserer Haustierärztin. Aktuell kommen zwei Möglichkeiten in Frage, die wir beeinflussen können. Zum einen ist mir gestern beim Supplementieren aufgefallen, dass die Waage auf einer falschen Einheit eingestellt war. Sie zeigte keine Gramm an, sondern eine mir unbekannte Einheit, von der ich nicht weiß, wie lange sie dort schon eingestellt ist. Auf alle Fälle sorgte sie für eine Überversorgung an Supplementen und könnte damit natürlich die Nieren stärker belastet haben. Allerdings erklärt das nicht, warum nun auch Pollys Eisenwert in den Keller gerauscht ist (Cleos war schon letztes Mal zu tief). Bei einer Übersupplementierung müsste er ja eigentlich höher sein. Ungeachtet dessen könnte es auch sein, dass Polly auf die SUC-Therapie negativ reagiert. Ihre Nierenwerte waren beim letzten Mal VOR der SUC-Therapie wieder im Normbereich und in der Homöopathie lösen die falschen Mittel ggf. entsprechende Negativ-Symptome hervor. Während also Cleo offenbar sehr gut auf die Therapie anspricht, könnte sie bei Polly den gegenteiligen Effekt haben. Die dritte Möglichkeit für die Verschlechterung ist die am schwersten verdauliche – CNI ist eine tödlich voranschreitende Krankheit, die sich nur bedingt therapieren lässt und damit sind wir an einem Punkt, der gestern bei mir irgendwie einen Hebel umgelegt hat.

Im zurückliegenden Jahr habe ich mich sehr intensiv Cleomit dem Thema CNI und möglichen Therapieformen auseinandergesetzt. Es gibt fast nichts, mit dem ich mich nicht beschäftigt habe und was ich – wenn es auch nur irgendwie machbar und erfolgsversprechend war – auseinandergesetzt habe. Selbst über eine Stammzellentherapie habe ich mich informiert, weil ich in einer internationalen Facebook-Gruppe davon und den daraus resultierenden Erfolgen gelesen hatte. Ich habe einen großen Zauber mit einer individuellen Futterzusammenstellung vollführt, habe Infusionen bis zum Abwinken gegeben, mich mit verschiedenen Ärzten ausgetauscht und mich eingelesen… Das zurückliegende Jahr gab es kaum ein anderes Thema für mich als wie ich diese tödliche Krankheit irgendwie von meinen Fellchen fernhalten, sie aufhalten könnte. Nur allzu oft war ich verzweifelt, weil es nicht vorwärts ging. Ich habe mich unglaublich über jede noch so kleine Besserung des Blutbildes gefreut und gleichzeitig immer einen Stein im Magen gehabt aus Angst, wie lange es so bleiben könnte. Kaum war das Ergebnis des einen Blutbildes da, rechnete ich im Kalender nach, wann ich das Nächste machen sollte. Es drehte sich alles um die Blutwerte meiner beiden Süßen, aber auch die Momente, in denen ich die beiden bewusst wahrgenommen habe und die Zeit mit ihnen genossen habe, sind stärker geworden, intensiver.

Nach den beiden Hiobsbotschaften gestern scheint sich ein Knoten in mir langsam zu lösen. Zunächst wunderte ich mich, dass ich den ganzen Tag so ruhig geblieben bin und nicht z.B. stundenlang im Internet nach weiteren Therapieformen gesucht habe. Ich habe es erst mal hingenommen wie es ist. Nein, ich habe es erstmals hingenommen wie es ist und den Tag in aller Ruhe mit meinen Lieben verbracht. „Therapiere die Katze, nicht das Blutbild“. Ich weiß nicht mehr, wo ich diesen Satz mal gelesen habe, aber er schwingt schon eine Weile immer wieder in mir nach. Erst ganz leise und selten, dann immer öfter und seit gestern sage ich in mir ganz bewusst immer wieder. „Therapiere die Katze, nicht das Blutbild“.

Ich werde weiterhin meinen geliebten Fellchen die beste Therapie zukommen lassen, die ich ihnen aus meiner Sicht bieten kann. Ich werde weiterhin die Futterrationen anpassen lassen, werde weiterhin Infusionen und SUC geben und werde weiterhin regelmäßige Blutbilder machen lassen, um zu sehen, inwiefern die Therapie anschlägt oder angepasst werden sollte. Ich werde aber auch versuchen, das Leben mit meinen beiden Süßen so lange zu genießen wie es geht und dabei versuchen, mich auf ihren Abschied vorzubereiten. Schon immer war mein oberstes Gebot, meine Tiere so gut es geht zu unterstützen, aber auch gehen zu lassen, wenn das Leben für sie nicht mehr lebenswert ist. Schon immer habe ich auch Medikamente gegeben, die ihr Leben vielleicht verkürzten, es aber für die verbleibende Zeit lebenswerter machten. Das stand für mich nie in Frage – und das tut es bei meinen Katzen auch nicht – eigentlich zumindest. Denn bei ihnen fällt es mir erstmals unglaublich schwer, die Endlichkeit ihres Lebens hinzunehmen und zu wissen, dass sie eine tödliche Krankheit haben, die ich mit meinen Mitteln nur begrenzt in Schach halten und niemals wirklich aufhalten kann. Sicherlich liegt es daran, dass ich noch keinem meiner Tiere so nahe verbunden war wie meinen Katzen. Schon immer habe ich meine Tiere sehr geliebt, aber bei meinen beiden Samtpfoten ist es doch eine ganz andere Beziehung. Sie scheinen mich „freiwillig“ zu mögen. Schwer zu erklären, aber alle bisherigen Tiere waren in ihrer Art so gestrickt, dass sie entweder kaum eine Wahl hatten, mich zu akzeptieren (weil sie z.B. als Käfigtiere auf mich angewiesen waren) oder einfach jeden um sich herum geliebt haben (wie z.B. Hunde). Bei Polly und Cleo scheint das anderes zu sein…

Eigentlich ist das ganze Leben doch ein langsames Sterben und so versuche ich nun die vielleicht wichtigste Therapie bei dieser Krankheit: mich als Katzenmama darauf vorzubereiten, dass meine Kleinen nicht für immer bei mir sein werden und die Zeit mit ihnen so lange zu genießen wie es uns Dreien vergönnt ist…

Ich habe gestern eine Reportage mit Anke Engelke über „das Glück“ gesehen, die mich sehr nachdenklich gemacht hat. Sie begleitete unter anderem einen krebskranken Jungen, der nach langem Kampf schließlich erfuhr, dass er sterben würde und die ihm verbleibende Zeit unglaublich tapfer und lebensfroh durchlebte. Auf die Frage, warum er nicht traurig sei bzw. weine, weil er sterben müsse, sagte er u.a., dass es „ja nichts bringe“ und seine Mutter ergänzte an anderer Stelle, dass sie durch das Wissen über den nahenden Tod ihres Jungen schon jetzt ganz bewusst schöne Erinnerungen mit ihm sammeln würde für die Zeit, in der er nicht mehr da sein werde. Wir alle wissen nicht, welchen Weg unser Leben nimmt und so nehme ich mir aus diesem Film das Bestreben mit, möglichst jeden Tag schöne Erinnerungen mit meinen Lieben (egal, ob Mensch oder Tier) – und mit mir selbst – zu sammeln. Wer weiß schon, was der morgige Tag bringt…

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4 Antworten zu Nachdenklich

  1. Werner Görlich schreibt:

    Die Katze meiner Tochter hat vor kurzem keinen richtigen Appetit mehr gehabt.
    Nach einem gewissen Zeitraum kam auch noch Erbrechen hinzu, wodurch wir doch dann zum Tierarzt gegangen sind. Der hat uns dann mitgeteilt, dass unsere Katze Isabell eine chronische Niereninsuffizienz hat. Da es schwer ist die Katze weiterhin ordentlich zu ernähren, hat uns ein Freund Nieren Tonicum für Katzen (http://www.recoactiv.de) empfohlen. Die sonst so wählerische Isabell hat diesen Zusatz gut angenommen und inzwischen hat Sie auch wieder Appetit. Ich kann Recoactiv Nierentonicum uneingeschränkt weiterempfehlen.

  2. Christina schreibt:

    Die Reportage gestern und vor allem dieser Junge und seine Mutter haben mich auch tief beeindruckt.
    Du hast hier gerade genau die wunde Stelle freigelegt, die mir seit dem tödlichen Unfall meiner kleinen Lieblingskatze vor einigen Jahren nicht heilen will – ich hatte nicht die Chance, sie zu verabschieden und die letzten Wochen und Monate vor dem Unglück waren nicht wirklich toll, nicht für sie und nicht für mich. Wie gern hätte ich unvergesslich schöne Momente der Zweisamkeit abgespeichert…

Schnurr mir was...

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