Raubtierfütterung (CNI): Wie viel Flüssigkeit braucht meine Katze?


BrunnenDas Thema „Dehydration“ schwebt ja nun schon seit einiger Zeit wie ein Damoklesschwert über uns und macht mich nicht zuletzt wegen der schwierigen „Trinksituation“ bei uns Zuhause wirklich wahnsinnig. Ich glaube, ich habe mittlerweile nahezu alles ausprobiert, um meine Fellpopos zum Trinken zu animieren (und werde immer wieder überrascht, dass sich doch noch etwas findet, was ich noch probieren kann). Selbst ein Sud mit Katzenminze und auch mit Baldrian stand bei uns schon auf dem Plan, aber außer einem schlechten Geruch in unserer Küche, hat beides nichts gebracht.

Die Meinungen, ob eine Katze, die ausschließlich Nassfutter bekommt, überhaupt etwas trinken muss, gehen in meinem Bekanntenkreis auseinander. Das Blutbild meiner beiden Nasen ist hingegen eindeutig: dehydriert!

Um das Problem etwas besser eingrenzen zu können, habe ich mich nun gefragt: Wie viel Flüssigkeit braucht eine Katze denn wirklich pro Tag? – Eine ziemlich einleuchtende Frage, die ich mir ja auch gleich hätte stellen können, nicht wahr?!

Dankenswerterweise ist die Beantwortung der Frage zumindest scheinbar einfach. Man findet über verschiedene Quellen im Internet immer wieder die gleichen Formeln bzw. Angaben. Ich finde es ja immer toll, wenn man selbst im Internet überall die gleichen Angaben findet (wem glaubt man sonst, wenn eine Quelle A sagt und die andere B…). Wirklich toll finde ich aber, dass ein „hochoffizielles“ Buch diese Angaben ebenfalls bestätigt (allerdings hat auch die sogenannte Fachliteratur leider nicht immer Recht). In Katzenkrankheiten: Klinik und Therapie – Band 1 – Seite 97 kann man’s in einer kleinen Tabelle, welche die Flüssigkeitsmenge pro Tag und kg der Katze angibt, genau nachlesen. Demnach liegen meine beiden Süßen bei ca. 57 ml/kg Mieze – also bei etwa 228 ml pro Tag. Uffz, klingt erst mal nach einer Menge. Das ist immerhin ziemlich genau ein Glas Wasser. Mmmh.. Diese Menge ist aber nur die halbe Wahrheit, denn sie gibt den Flüssigkeitsbedarf insgesamt an – also inklusive der Flüssigkeit, die Mieze beim Futter aufnimmt. Dieser Berechnung gehe ich weiter unten nach, wollte aber erst mal schauen, ob es noch andere Ansätze gibt…

Auf der Seite „Katze in Zahlen“ wird beim Thema Flüssigkeitsbedarf Bezug auf die Futter-Trockensubstanz genommen – also, wie viel Flüssigkeit wird neben dem Futter als solchem zusätzlich benötigt. Der Bezug zum eingenommenen Futter scheint mir auch logisch, denn es muss ja einen Unterschied geben, ob eine Katze ausschließlich Feuchtnahrung zu sich nimmt oder ob Trockenfutter mit im Spiel ist. Hier wird als Faustformel die dreifache Menge der Trockensubstanz angegeben und ein Beispiel aufgeführt.

Feuchtigkeit in % Gewicht in g Trocken-substanz in g Flüssigkeits-bedarf in ml
NaFu 80 100 20 60
TroFu 10 100 90 270

Spätestens jetzt dürfte jeder Trockenfutter-Junkie vom Stuhl fallen: Mal angenommen, Ihr Liebling bekommt 100 g Trockenfutter pro Tag. Dann müsste er zusätzlich 260 ml Flüssigkeit trinken, um seinen Bedarf zu decken (270 ml Gesamtbedarf – 10 ml, die immerhin noch im TroFu drin sind = 260 ml) – bei Normaltemperatur, moderater Bewegung usw. Und? Trinkt Ihr Schatz tatsächlich pro Tag ein ganzes Glas Wasser?

Die scheinbar gute Nachricht kommt jetzt für die Feuchtfutter-Fraktion. Theoretisch müsste nach dieser Rechnung nämlich der Flüssigkeitsbedarf Ihrer Katze bereits mit dem Schlabbern der Feuchtnahrung gedeckt sein…. Theoretisch… Tja, und warum sind dann meine Katzen dehydriert???? Nun muss man in meinem speziellen Fall bzw. dem meiner beiden Pupserchen bedenken, dass ihre Nieren bereits angegriffen sind und ein Symptom der CNI eben die Dehydration ist. In dem Moment, in dem die Katzen den Urin nicht mehr so stark konzentrieren können wie physiologisch vorgesehen, scheiden sie auch mehr Flüssigkeit aus als für sie gesund ist und – richtig! – dehydrieren. Was an dieser Überlegung allerdings hinkt, ist die Tatsache, dass wir Cleos Urin beim letzten Hofheim-Besuch prüfen ließen und er dort noch optimal konzentriert war. Aber egal, die Orakelei bringt und ja nicht weiter und Status Quo ist nun mal eine Dehydration.

Leider habe ich noch keine zuverlässige Quelle gefunden, welche diese „3-fache-Menge-Theorie“ in irgendeiner Form belegt. Tatsächlich lese ich aber an verschiedenen Stellen, dass der Feuchtigkeitsbedarf durch Feuchtfutter in der Regel voll gedeckt wird und zumindest vom Ansatz her scheint mir diese Faustformel durchaus logisch und hifreich.

Ich habe also noch etwas weiter geforscht und versucht, den Feuchtigkeitsgehalt meiner Futter-Rationierung nach der schlauen Tabelle ganz oben zu berechnen (Ziel also: 228 ml pro Tag). Gar nicht so leicht… Die Kleinen bekommen 35 g Rinderhack (ca. 23 ml), 25 g mageres Fleisch (19 ml), 23 g Zucchini (22 ml), 10 g Kartoffel (7 ml), ca. 100 ml Wasser zusätzlich, das ich dem Futter untermische. Außerdem täglich etwa 50 g RC Renal Nassfutter mit 75% Feuchtigkeit (also 37,5 ml Wasser). Rechne ich das zusammen, komme ich auf 208,5 ml pro Tag. Gar nicht so schlecht, aber eigentlich sollten sie 228 ml pro Tag aufnehmen. Bleibt also eine Differenz von immerhin 20 ml täglich – im Durchschnitt. Mmmh… Klingt erst mal nicht soooo viel und ist wohl theoretisch auch machbar. Wenn sie zusätzlich wenigstens alle paar Tage ein bissel (laktosefreie) Milch oder Sahne schlabbern und vielleicht auch noch ein wenig Wasser – ganz heimlich, ohne dass ich es merke natürlich – wären wir so langsam im grünen Bereich. Aktuell bekomme sie ja zusätzlich 2x wöchentlich zwischen 80 und 100 ml Infusionen (an heißen Tagen etwas häufiger, dafür aber weniger Flüssigkeit). Ich werde also versuchen, noch ein wenig mehr Wasser ins Futter zu mischen (das zugefütterte Pektin hilft mir dabei ungemein) und dann gespannt auf das nächste Blutbild warten. Eigentlich müsste der Hämatokrit deutlich besser werden und damit hoffentlich auch die Nierenwerte…

Tja und die Moral von der Geschicht‘? Schauen Sie mal genau hin, wieviel Flüssigkeit IHR Tiger so braucht oder bräuchte…

Katze

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter CNI, Raubtierfütterung abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Raubtierfütterung (CNI): Wie viel Flüssigkeit braucht meine Katze?

  1. Mausflaus schreibt:

    ich hab mal ne katze betreut, die sich partout geweigert hat, aus dem wassernapf zu trinken. ich hab ihr dann einfach bei nafu wo soße drin war, heimlich ein paar ml wasser reingerührt, sodass die soße einfach etwas dickflüssiger war. so kann man ihr etwas flüssigkeit unterjubeln. manche katzen gehen auch voll auf katzenmilch ab, wobei ich da nicht weiß ob die nicht doch zu ungesund ist.

    • Hallöchen, ja, Wasser unter das Futter mischen die meisten. Allerdings überschätzen viele die so eingearbeitete Flüssigkeit. Man denkt, es sei viel mehr als es tatsächlich ist – zumindest ging es mir so bis ich es wirklich abgemessen habe. Wenn die Mieze insgesamt nur wenig frisst, ist auch die Menge entsprechend geringer, die man untermengen kann. Katzenmilch ist prinzipiell nicht ungesund, wenn man darauf achtet, dass kein Zucker enthalten ist (was leider viele Hersteller beifügen). Für den Geldbeutel sparsamer und ebenso möglich ist einfach laktosefreie Milch für den Menschen. Das schlabbern meine beiden Pupser aber leider auch nicht. Es muss schon unverdünnte Sahne sein. 😉

  2. Claudia Winterer schreibt:

    Hallo Carmen, dass dich das mit der Flüssigkeitsaufnahme schier verrückt macht, kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht hilft noch folgende Überlegung: Wenn ich meinen Katzen viel saftiges Feuchtfutter gebe, dann sehe ich sie nie trinken. Wenn Sie aber, weil eigentlich keine Fütterunszeit ist und sie trotzdem betteln, von mir Trockenfutter oder halt mal Leckeli-Stangen bekommen, kann man darauf wetten, sie anschließend an den Wassernäpfen ordentlich schlabbern zu sehen. So habe ich immer das Gefühl, dass sie ihren Flüssigkeitsbedarf nätürlich regeln. Ich weiß natürlich, nicht, ob du ihnen noch Leckerlis geben darfst. Falls doch, käme es wirklich auf einen Versuch an, denn die machen anscheinend besonders durstig und dann würden sie vielleicht noch zusätzliches Wasser aufnehmen.

    LG Claudia

    • Hallo Claudia,
      danke dir für dein Verständnis und die Idee bzgl. der Leckerchen. Wie du schon vermutest, bekommen die beiden allerdings gar keine Leckerchen mehr. Wir haben ein Nierendiättrockenfutter, von dem sie täglich maximal 2,5 g als Belohnung oder zum Futteranimieren bekommen. Das war’s… Wie du dir denken kannst, sind 2,5 g nicht viel. Abgesehen davon würden sie vermutlich auch nur das Defizit DURCH das Leckerchen mit Trinken ausgleichen (siehe Tabelle). Es wäre also nichts gewonnen. 😦 Deinen Tipp mit Ziegenmilch habe ich auch probiert – NICHTS. Jetzt trinke ich den Rest. *seufz*

Schnurr mir was...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s