Tätowierungen: Nur eine scheinbare Sicherheit?!


Fundkater "Mirko"

Fundkater „Mirko“

Ja, ich gehöre wohl eindeutig zu den übervorsichtigen Menschen, die sich schon im Vorfeld über alle möglichen Gefahrenquellen und Möglichkeiten einer Situation Gedanken machen. Allzu oft werde ich in meinen Sorgen allerdings in der Erfahrung dann auch bestätigt. So hatte ich meine beiden Katzen schon im Kittenalter sowohl tätowieren, als auch chippen lassen. Die damalige Überlegung war, dass eine Täto nach Außen wohl für immer irgendwie sichtbar wäre (somit wüßten Finder meiner ausgebüchsten Schätze, dass sie vermutlich ein Zuhause haben) und ein Chip hingegen immer eindeutig zuzuordnen wäre. Bei einer Täto war ich mir damals nicht so sicher, denn diese könnte ja im Laufe der Jahre verblassen, verschwimmen oder vielleicht sogar von einem anderen Tierarzt doppelt vergeben werden (die Nummerierung ist keineswegs bundesweit geregelt, sodass m.W. jeder Tierarzt theoretisch alles Mögliche in die Ohren tätowieren kann). 

Bei meinem Engagement im Tierheim werde ich in dieser Vorgehensweise Fundkater "Chester"bestätigt, denn dort landen immer wieder Katzen, die zwar tätowiert sind, aber keineswegs ihren eigentlichen Haltern zurückgeführt werden können. Entweder ist die Tätowierung auch mit allen erdenklichen Tricks und mit mehreren Augenpaaren schlichtweg nicht mehr erkennbar (vor allem bei älteren Tieren) oder aber es sind verschiedene Kombinationen möglich und möglicherweise erkennt man „die eine Richtige“ nicht mehr. Selbst nach kurzer Zeit ist die Ziffer Null von dem Buchstaben O nicht mehr zu unterscheiden und das O könnte auch eine 8 sein oder oder oder… In diesen Fällen werden im Tierheim natürlich bei der Suche verschiedene Kombinationen berücksichtigt, aber allzu oft führt die Suche ins Leere.

Ganz aktuell haben wir gleich zwei Fälle im Darmstädter Tierheim, bei denen das so ist. Es sind beides Rassekatzen – der eine Kater (ein russisch-blaum den wir Mirko getauft haben) gepflegt und vermutlich noch nicht allzu lange unterwegs. Der andere Kater (ein Perser, den wir Chester nennen) hatte ein zerfleddertes Flohhalsband und schon arg verfilztes Fell und war womöglich schon länger heimatlos unterwegs (wobei sich das „länger“ bei dem Pflegebedarf des Perserfells vermutlich auch relativiert). Beide Kater sind tätowiert und zu beiden konnten wir bei den bekannten Registern auch in den verschiedensten Kombinationen keine Einträge finden. Die Ursachen dafür können sein: Wir haben doch nicht alle – bzw. nicht die richtige Kombination erkennen können. Die Täto ist vielleicht nur bei einem lokalen Tierarzt hinterlegt (was völliger Unsinn, aber leider nicht unwahrscheinlich ist) und wir haben keine Chance, den richtigen Tierarzt zu ermitteln. Oder aber die Halter haben die Kater gar nicht registrieren lassen, weil sie vielleicht dachten, das würde mit der Tätowierung automatisch passieren (auch das ist leider schon vorgekommen).

Daher möchte ich unbedingt nochmal daran appellieren, dass Sie Ihr Tier möglichst chippen lassen (und zwar auch, wenn es eigentlich eine Wohnungskatze ist; auch die können abhauen). Außerdem sollten Sie es z.B. bei TASSO – also einer bundesweit agierenden und bekannten Datenbank – registrieren und auch immer daran denken, eventuell Adress- oder Telefonänderungen dort zu hinterlegen. Es nutzt gar nichts, seine Daten beim örtlichen Tierarzt zu hinterlegen. Es gibt Hunderte von Tierärzten und leider keine zentrale Datei, unter der man schauen könnte, wie jeder einzelne Tierarzt tätowiert. Natürlich haben Tierschutzvereine im Laufe der Zeit eigenständige Listen angefangen, die aber keineswegs vollständig sind und jeder Tierarzt kann sich morgen entscheiden, ab sofort eine andere Kombination zu verwenden. Schützen Sie Ihr Tier – durch eine eindeutige Identifzierung UND Registrierung!


Katze

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rund um Fellpopos, Tierheim abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Tätowierungen: Nur eine scheinbare Sicherheit?!

  1. Christina schreibt:

    Die doppelte Kennzeichnung ist eine gute Idee – vermutlich kann man wirklich nicht darauf bauen, dass eine zugelaufene Katze immer dem Tierarzt vorgestellt und auf einen Chip kontrolliert wird.
    Bei unserem kleinen Asylkater Schorschi müssen wir warten, bis er uns so vertraut, dass er sich anfassen läßt – ein Tattoo wird er nicht haben, bei den rabenschwarzen Öhrchen.
    Wie ich bei unserem früheren Fundkater Tarik, einem reinrassigen Siam, erfahren musste, halten es einige Tierhalter nicht für nötig, nach ihrem verschwundenen Tier zu suchen oder den Verlust überhaupt irgendwo zu melden… 🙄

    Liebe Grüße von Christina

    • Hallo Christina,
      deine Geschichten über Schorschi verfolge ich auch immer gespannt mit. 🙂 Es könnte trotz schwarzer Ohren eine Täto vorhanden sein. Polly hat auch schwarze Ohren, man sieht die Täto aber erstaunlich gut. Manchmal bilde ich mir sogar ein, dass man sie besser sieht als z.B. bei Cleo. Ob die Farben vielleicht bei hellerem Fell durch mehr Sonneneinstrahlung ausbleichen? Könnte ja sein oder?

      Na, jedenfalls suchen tatsächlich viele ihre Katzen nicht oder setzen sie aus oder oder oder. Selbst bei Rassekatzen wird da nicht Halt gemacht. Wir hatten kürzlich ein eindeutig ausgesetztes Main-Coone-Pärchen bei uns, bei dem uns alle absolut schleierhaft war und ist, wie man so etwas Nettes und Gesundes aussetzen kann…. Man wird es wohl nie erfahren…

Schnurr mir was...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s