Der Speck muss weg: Psychologische Kriegsführung (4/4)


Cleos Flucht

Sag mal, willst du mich vergiften?

Kommen wir heute zum letzten Teil der Speck-weg-Reihe: psychologische Kriegsführung. 😀 In den letzten drei Artikeln habe ich mich im Wesentlichen mit praktischen Tipps befasst, wie Sie die Ernährung Ihres Sofatigers umstellen können, wie Sie ihn mit etwas mehr Bewegung zum Kater-Adonis entwickeln können und wie wichtig es ist, sich selbst von der Wichtigkeit Ihres Plans zu überzeugen. Eigentlich sind Sie damit mit allem Wichtigen gewappnet und können direkt loslegen (haben Sie hoffentlich sogar schon :D). Doch was wären unsere kleinen, samtigen Fellpopos, wenn sie uns mit ihrer liebenswerten, unbestechlichen und unglaublich sturen Art nicht immer wieder auch ein Stück weit in den Wahnsinn treiben würden?!

DAS????? Fresse ICH auf KEINEN Fall…

Wir alle können uns grade sehr gut den Gesichtsausdruck unserer Katzen vorstellen, wenn sie vor etwas sitzen, das wir unglaublich toll für sie finden und sie eher weniger begeistert sind. 😀 Wie schon in einem der anderen Artikel beschrieben, sind Katzen Neophoben und sträuben sich essenstechnisch erst mal von Natur aus gegen alles, was sie nicht kennen. Hier kommt es darauf an, dass Sie Ihre Lieblinge wirklich langsam und in kleinen, zum Teil homöopathischen Mengen an neues Futter gewöhnen. Der Anteil an neuem Futter darf am Anfang gerne weniger als einen Teelöffel betragen und wird so langsam gesteigert wie es Miezchen duldet. Auch mit Rückschlägen sollten Sie souverän und gelassen umgehen und Miezchen dann eben ein paar Tage wieder etwas mehr von ihrem geliebten Futter geben bis Sie die Menge an neuem Futter wieder etwas erhöhen. Glauben Sie mir, das funktioniert. Es kommt nur auf die Mengenverhältnisse und Ihre Geduld an.

Frauchen, ich hab‘ Kooooooohldaaaaampf…Cleo

Bei diesem Thema können Katzen sehr unterschiedlich reagieren. Zunächst einmal ist es aber völlig normal, wenn Ihre Katzen bei einer Futterumstellung eher mehr Hunger als sonst haben. Zum einen werden sie vermutlich nicht immer alles fressen, was Sie ihnen hinstellen (da ist ja auch dieses ekelige Giftzeug drin, was Sie neuerdings unterzumischen versuchen). Zum anderen wird die tägliche Futtermenge weniger werden, wenn Sie von Trockenfutter auf ein (hochwertiges) Nassfutter umstellen und sie wird noch weniger werden, sollten Sie sich für BARF entscheiden. Trockenfutter quillt im Bauch erst sehr langsam auf, wodurch die Miezen mehr davon futtern bevor ein Sättigungsgefühl eintritt. Leider geben viele Halter dadurch im Laufe der Zeit immer mehr TroFu, weil Miezchen ja immer Hunger zu haben scheint. Von dieser Menge muss sie auch erst mal entwöhnt werden und das geht leider eben auch ein stückweit mit Hunger einher. Aber wirklich HUNGERN, darf Ihre Katze nie (siehe dazu die vorigen Artikel).

Bei uns war die Umstellung von Nassfutter (ca. 200 g täglich) auf BARF (ca. 90 g täglich) am anstrengendsten. Während Cleo in Hochphasen ununterbrochen gemaunzt hat (auch nachts), ist Polly wie ein Kreisel um uns rum geschossen, sobald wir uns im Haus bewegt haben. Von etwas dominanteren Katzen weiß ich, dass sie ihren Dosis bevorzugt auf dem Weg zur Küche auflauern und ordentlich zulangen, wenn Dosi ohne etwas Schmackhaftes aus der Küche zurück kommt. Hier gilt leider auch – Sie ahnen es schon – , hartnäckig und geduldig zu bleiben. Sie können es mit Ablenkung versuchen, indem Sie mit Miezchen spielen oder schlichtweg ein Spielzeug den Gang lang werfen, wenn Sie aus der Küche möchten. Kaum eine Katze kann dem vorbei springenden Lieblingsspielzeug widerstehen.

Durch das Aufteilen des Futters in mehrere, kleine Portionen über den Tag verteilt, helfen Sie Ihrem Tiger auch über den größten Hunger hinweg (und es ist zudem insgesamt für Ihr Miezchen gesünder als ein oder zwei große Portionen am Tag).

Haben Sie einen besonders durchsetzungsfähigen Kandidaten, der Ihre Füße regelrecht anspringt, hat feste Kleidung (ggf. sogar Stiefel) auch mitunter schon geholfen. Hier gibt es auch zwei Katzentypen. Bei dem einen ist es wichtig, dass Sie ohne jegliche Regung an Ihrem Küchenlauerer vorbei kommen. Jede Reaktion Ihrerseits bestätigt die Katze in dem, was Sie da versucht. Der zweite Typ kann durch ein Lautes „AUTSCH“ beeindruckt und von seinem Vorgehen abgebracht werden (allerdings ist das eher der geringere Teil von Sturköpfen, die so reagieren). Keinesfalls sollten Sie auf so eine Attacke damit reagieren, ihr etwas zu fressen zu geben. Was soll Miezchen sonst glauben, alsdass Sie Ihnen nur ordentlich die Beine zerhacken muss, um nächstes Mal an etwas besonders Leckeres zu kommen? Diesen Attacken zu widerstehen ist sicherlich alles andere als leicht, aber Sie wollen ja etwas verändern, richtig?! Die schlechte Nachricht ist: Das wird vermutlich kein Spaziergang. 😉

PollyZusammengefasst

Sie sehen, alle vier Artikel drehen sich immer wieder um das Gleiche, wenn es darum geht, Ihrem Fellpopo ein paar Pfunde abzutrainieren. Alle vier Artikel sind voller Wiederholungen und ich hoffe, Sie sind nicht schon völlig entnervt, weil ich immer wieder das Gleiche geschrieben habe. Aus eigener Erfahrung kann ich aber behaupten, dass es genau so bei mir und meinen Samtpfoten funktioniert hat. Die „Werkzeuge“ sind denkbar einfach: Entscheidung treffen, Ernährungsumstellung einleiten und durchführen, mehr Bewegung. Klingt ja genau so wie beim Menschen, richtig?! Ja, ist es im Grunde ja auch und genau so schwer ist es auch. Wir kennen das ja auch alle von uns selbst oder? Egal, ob wir uns den Vorsatz genommen haben, uns mehr zu bewegen, gesünder zu ernähren oder etwas abzuspecken. Es dreht sich immer darum, den inneren Schweinehund zu besiegen und die nötige Ausdauer an den Tag zu legen. Im Kontakt mit unseren Katzen kommt natürlich noch dazu, auf die Vorlieben unseres Lieblings zu achten und so gut es geht auch darauf einzugehen. Cleo frisst beispielsweise gerne Reh und Hirsch, weshalb wir diese Fleischsorte weiterhin in ihren Futterplan eingearbeitet haben (obwohl das magere Wild für ihre Nieren nicht so gut ist). Auch hier ist es ähnlich wie bei uns Menschen: Es funktioniert langfristig nur, wenn es den eigenen Vorlieben entspricht. Es gilt lediglich, zuvor die „auferlegten“ Vorlieben zu entwöhnen. Eine Katze ist von Natur aus nicht auf Presspellets ausgelegt, aber eine gute Portion Geschmacksverstärker und ich weiß nicht was, können den Geschmack schon mal auf Abwege führen. Sind Sie mit Ihrer Katze über diesen Schritt hinweg, können Sie sich freuen, denn dann ist das Schwierigste Wegstück geschafft. Wenn Sie soweit sind, dass Sie merken „Oh, meine Katze mag Rind besonders gern“, können Sie darauf eingehen und ihre Vorlieben ausbauen.

Bleiben Sie am Ball. Gehen Sie auf Ihre Katze ein (ohne Ihr das Zepter zu übergeben) und rechnen Sie auch mit Rückschlägen, die Sie einfach wieder auffangen werden. Sie bekommen das hin! Da bin ich mir sicher. 😉

Bei konkreten Fragen stehe ich natürlich auch über meinen Blog oder im Direktkontakt per Mail zur Verfügung. Das „Tun“ kann ich Ihnen allerdings nicht abnehmen. 😉

Hier sind die ersten beiden Artikel zum Thema:

Der Speck muss weg: Ja, ich will! (1/4)

Der Speck muss weg: Ran an die Buletten (2/4)

Der Speck muss weg: Action, Baby! (3/4)


Katze

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3 Antworten zu Der Speck muss weg: Psychologische Kriegsführung (4/4)

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