Der Speck muss weg: Ran an die Buletten (2/4)


BARFZum Thema Ernährung habe ich mittlerweile schon einiges geschrieben. Insofern wird dieser Artikel eher eine Wiederholung werden mit dem Fokus, dass Miezchen abspecken soll. Wer sich meine Tipps in den anderen Artikeln schon zu Herzen und in Angriff genommen hat, der wird nachfolgend nicht viele Überraschungen mehr erleben. Ich werde hier auch nicht mit besonders tollen und esotherischen Rezepten für Miezes Gaumen aufwarten. Im Grunde genommen ist das Thema „Ernährung“ sogar relativ simpel zusammenzufassen: Weg mit dem Trockenfutter, her mit hochwertigem Nassfutter, Verteilen auf 3-4 Mahlzeiten und ein gesundes Maß in der Menge. Fertig! Das ist Ihnen zu dünn? Gut, dann noch etwas ausführlicher. 😉

Chips & Schokolade – in Fachkreisen „Trockenfutter“ genannt

Dass ich der Fütterung von Trockenfutter mehr als kritisch gegenüberstehe, ist hinreichend bekannt. Dass diese Fütterungsform das Entstehen von Übergewicht nahezu vorprogrammiert, habe ich auch schon mehrfach erläutert. Aus meiner Sicht ist Trockenfutter nichts anderes, als Chips und Schokolade für uns Menschen sind. Es sind Leckerchen, die von unseren Fellis meist sehr gerne angenommen werden, aber nicht wirklich gesundheitsfördernd für sie sind.

In den Futternapf einer übergewichtigen Mieze gehört Trockenfutter nach meiner persönlichen Meinung überhaupt nicht (genau so wenig wie in jeden anderen Napf). Sie sollten vielmehr als Belohnung oder auch als „Bestechungsmittel“ bei einer Futterumstellung eingesetzt werden und unbedingt erarbeitet werden. Bei uns gibt es Trockenfutter z.B. entweder gemörsert über das verschmähte Futter (und zwar nur max. 3-4 Bröckchen in Größe der Antibaby-Pille). Alternativ erarbeiten es sich Polly und Cleo beim Clickern. Zum Abspecken eignen sich natürlich Übungen mit etwas Bewegung besonders gut (dazu mehr im Bewegungsartikel).

Wer dennoch daran festhalten möchte, seine Katze mit Trockenfutter zu ernähren, dem kann ich hinsichtlich einer artgerechten und gesunden Ernährung leider kaum weiterhelfen. Was dann jedoch besonders wichtig ist, dass man die tägliche Futtermenge ganz genau im Auge behält. Wiegen Sie die empfohlene Tagesmenge ab und bedenken Sie dabei, dass die Hersteller gern übertreiben mit ihren Mengenangaben. Entscheidend bei der Bestimmung der empfohlenen Tagesmenge ist übrigens nicht das aktuelle Gewicht der Katze, sondern ihr Idealgewicht, wobei Sie eine übergewichtige Mieze erst langsam an ihre Tagesmenge herantasten sollten, um sie nicht zu überfordern oder gar zu gefährden.

Es ist keineswegs der gefüllte Napf, der Mieze ausreichend ernährt, sondern meist nur ein Schnapsglas voll! Ich selbst war vor Jahren mehr als erstaunt, als ich mal die empfohlene Tagesmenge eines bekannten TroFu-Herstellers abgewogen habe. Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass ich den beiden immer zu viel gegeben hatte. Der Napf muss auch keineswegs immer wieder aufgefüllt werden, wenn Mieze ihn leer geknabbert hat. 3-4 kleine Mahlzeiten am Tag zu festen Zeiten sind für den Fellpopo gesund. Ein ständiges Nahrungsangebot führt nicht nur häufig zu Übergewicht, sondern ist für Miezes Verdauung auch nicht gut. Der weit verbreitete Glaube, dass ein Tier nur so viel frisst wie es gut ist, ist ein Irrglaube und die Speckrollen Ihres Tigers sind der Beweis dafür. 😉 Tiere können mit den entsprechenden Lockstoffen im Futter genau so von ihrem natürlichen Fressverhalten abgebracht werden wie es Chips und Schokolade, Geschmacksverstärker & Co bei uns Menschen tun.

Meine Katze ist ein totaler Sturkopf! Die lässt sich nicht umstellen…Cleo

Das dachte ich auch jahrelang und scheiterte X Male, meine Fellis komplett umzustellen. Wir Katzenhalter müssen uns wohl endgültig der Tatsache stellen: ALLE Katzen sind stur… Vor allem hinsichtlich der Ernährung hat das ganze Übel sogar einen Namen: Neophobie. Ein toller Artikel, der erklärt, was das ist, finden Sie hier: http://www.hundekatzenvital.de/Ern%C3%A4hrung/NeophobieoderdieAbneigungNeueszufressen/tabid/613/Default.aspx. Dort ist übrigens auch erläutert, warum Ihr Miezchen monatelang ein bestimmtest Futter aufsaugt, um es – scheinbar dann, wenn Sie grade eine neue Palette davon gekauft haben – komplett zu verschmähen. Kennen Sie auch oder?! 😉

Tatsächlich ist es eine Frage der Geduld und der Methoden, die eigentlich schon einen Artikel für sich wert wären. Da es aber bereits Tausende Internetseiten zu dem Thema gibt und ich mich bei unserer Umstellung an einer sehr ausführlichen Seite zu diesem Thema orientiert habe, möchte ich an dieser Stelle nur an selbige verweisen: http://www.savannahcat.de/futterumstellung.html

In dem Artikel steht – wie ich finde – wirklich alles drin, was man bei der Umstellung beachten und wie man vorgehen kann und wir sind mit diesen Tipps im Endeffekt auch erfolgreich gewesen. Wollen und Durchführen müssen Sie es alleine. 😉 Natürlich wird es Ihre Katze am Anfang doof finden…

In der Blog-Kategorie „Raubtierfütterung“ finden Sie zudem einige Artikel darüber, wie ich meine beiden Sofatiger langsam (und mit zahlreichen Rückschlägen) von Trockenfutter/ Nass-Schrottfutter auf hochwertiges Nassfutter und schließlich zu selbst hergestelltem Futter umgestellt habe. Der Einführungsartikel beschreibt zumindest ein wenig, wie Sie am Anfang agieren sollten, was die Umstellungsmenge angeht.

Das gehört da nicht rein…

Eine Katzenberaterin sagte mal in einem ihrer Seminare, dass das schlechteste Nassfutter immer noch besser als das beste Trockenfutter sei. Schon allein der meist extrem hohe Getreideanteil- und verschwindend geringe Wasseranteil in Trockenfutter ist der Super-GAU für Miezes Gesundheit. Dennoch gibt es natürlich auch bei Nassfutter gewaltige Qualitätsunterschiede. Dabei muss das Futter nicht unbedingt teuer sein, das Miezes Körper in Form hält. Essentiell wichtig ist zum Beispiel, dass in dem Futter kein Zucker/ Karamell drin ist. Den schmeckt Mieze nicht nur nicht (er wird nur für das menschliche Auge untergemischt – völlig Plemmplemm!), sondern liefert Kalorien, die Mieze nicht braucht. Getreide ist ebenfalls ein Füllstoff, von dem das Fellchen nichts hat (ich lasse in diesem Artikel bewusst all die Argumente raus, die sonst noch gegen so manche Inhaltsstoffe sprechen). Diese beiden Punkte sollten wirklich jedem bei der Auswahl des Futters ins Auge fallen und möglichst vermieden werden.

Bei der Deklaration von „tierischen Nebenerzeugnissen“ wird es schon nicht mehr ganz so leicht, denn darunter fallen neben so gruseligen Dingen wie Hufen, Schnäbeln, Federn und dergleichen, auch durchaus für die Katze gesunde Bestandteile wie Innereien. Diese sollte Mieze jedoch nur in bestimmten Maßen genießen und hochwertige Futtermarken erkennt man besonders daran, dass sie genau beschreiben, was in ihrem Futter drin ist. Dann findet man nämlich nicht nur die Bezeichnung „tierische Nebenerzeugnisse“, sondern x% Lunge, y% Leber usw. Da dieses Thema jedoch eine Sache für sich ist, möchte ich es in diesem Artikel (wo es ja primär ums Abspecken geht) dabei belassen.

Hängen bleiben sollte, dass es grundsätzlich gesünder und für eine gute Figur zuträglich ist, wenn Miezchen sich nicht von Trockenfutter ernährt und dass in dem gefütterten NaFu zumindest kein Zucker und nur ein geringer Getreideanteil enthalten ist (wenn überhaupt) und dafür ein hoher Fleischanteil (außer bei bestimmten Krankheiten wie CNI, wo es auf ein gutes Fett-Protein-Verhältnis ankommt, aber machen wir es hier nicht komplizierter als nötig).

Tja und dann?

barf SashimiAlles in Maßen…

Wie auch bei uns Menschen entsteht Übergewicht bei Katzen durch ein Überangebot an Kalorien im Vergleich zum Energieverbrauch. Dieser Energieverbrauch ist – ebenso wie bei uns Menschen – individuell und verändert sich im Laufe des Lebens. Wenn Sie Ihrem Kitten also noch bergeweise Futter hinstellen konnten, sollten Sie z.B. nach der Kastration und wenn Miezchen älter wird und nicht mehr den ganzen Tag die Gegend als Rakete unsicher macht, ihre Nahrungsmenge entsprechend anpassen. Die eventuelle Reduzierung sollte aber immer in Maßen erfolgen. Wo ein Mensch locker auch mal ein paar überflüssige Pfunde durch Fasten oder FDH verlieren kann, muss man bei der Katze darauf achten, dass sie z.B. auch während einer Ernährungsumstellung konstant wenigstens kleine Mengen zu sich nimmt und darf sie auf keinen Fall mal ein paar Tage auf Nulldiät setzen, damit es ein wenig schneller in Richtung Bikinifigur geht. Das ist – man kann es nicht oft genug sagen – lebensgefährlich für Ihren Haustiger! Reduzieren Sie die Futtermenge daher langsam! Wenn Sie bisher den Napf immer randvoll nachgefüllt haben, reduzieren Sie die Nachfüllmenge Schritt für Schritt. Gewöhnen Sie Ihren Tiger daran, dass die Küche kein Schlaraffenland mehr ist. Führen Sie feste Mahlzeiten ein und füttern Sie nichts zwischendurch. Protestiert Miezchen dann, lenken Sie sie ab. Spielen Sie z.B. mit ihr und zwar so, wie Miezchen es mag (dazu mehr im Action-Artikel).

Was mir von Anfang an auch gut geholfen hat war, dass ich ihre Tagesmenge schon morgens abgewogen habe (ja, abgewogen!) und meinen Tigern je nach individuellem Hungergefühl über den Tag verteilt das Futter gegeben habe. Cleo frisst in der Frühe zum Beispiel nur eine Minimenge, während Polly gern mit einem vollen Bauch in den Tag startet. So bekommt Polly morgens im Verhältnis zum Rest des Tages die größte Portion.

Puuuuh… Das war ganz schön viel auf einmal oder?! Lassen Sie es in Ruhe sacken. Nehmen Sie sich die für Sie entscheidenden Punkte raus und gehen Sie es Schritt für Schritt an. Sie müssen das alles nicht im Galopp umsetzen. Wichtig ist, dass Sie sich mit dem Thema auf Ihre Art auseinandersetzen und auf Ihre Art beginnen, umzusetzen. Wird schon klappen. 😉

Im nächsten Artikel zum Thema geht’s um BEWEGUNG! Hier schon mal ein Video zum Warmwerden: https://www.facebook.com/video/embed?video_id=125046851023083″ width=“398″ height=“222″ frameborder=“0″>

Hier sind alle Artikel zum Thema:

  1. Ja, ich will! (1)
  2. Ran an die Buletten (2)
  3. Der Speck muss weg: Action, Baby (3)
  4. Psychologische Kriegsführung (4)


Katze

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Raubtierfütterung abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Der Speck muss weg: Ran an die Buletten (2/4)

  1. Christina schreibt:

    In den 15 Jahren mit meinen Katzen habe ich auf jeden Fall festgestellt, dass eine Futterumstellung nicht an den Katzen sondern höchstens an mir scheitert. Trotz ‚Neophobie‘ und ‚Futterwechselmechanismus‘ habe ich für die Umstellung von Trockenfutter auf hochwertiges Nassfutter und Barf nur kleinere Umwege machen müssen. Es geht, man muss nur damit beginnen! 😉

    Liebe Grüße von Christina

Schnurr mir was...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s