dokumenTIERt: Subkutane Infusionen verabreichen


Die richtige Einstichstelle: dort, wo ein Sattel sitzen würde (aber mind. 3 cm von der Wirbelsäule entfernt)

Die richtige Einstichstelle: dort, wo ein Sattel sitzen würde (aber mind. 3 cm von der Wirbelsäule entfernt)

Diesen Artikel zu schreiben fällt mir noch sehr schwer, da die Hauptdarstellerin des zugehörigen Videos mittlerweile im Regenbogenland ist. Dennoch finde ich das Thema so wichtig und habe dazu im Internet nur wenig Hilfreiches gefunden, dass ich den Artikel so schnell wie möglich veröffentlichen möchte. Leider verlassen sich viele Halter bei der medizinischen Versorgung ihrer Tiere ausschließlich auf ihren Tierarzt und beschränken sich bei der Pflege auf die Gabe von Medikamenten in Form von Tabletten oder ähnlichem. Man kann seinem Tier aber häufig weitaus mehr helfen, wenn man sich kundig macht, ggf. auch bei seinem Tierarzt hartnäckig bleibt (oder vielleicht sogar wechselt) und vor allem über seinen eigenen Schatten springt und Herz, Verstand und Mut zusammen nimmt.

Zum einen muss man Tierärzten leider immer wieder aus der Nase ziehen, was man für sein Tier vielleicht noch machen kann, außer ihm zwei Mal täglich eine Tablette zu geben und sollte sich dabei auch nicht scheuen, die „Weisheit“ des Arztes zu hinterfragen (hätte ich auf meinen TA gehört, würden meine beiden Katzen entweder gar nichts gegen ihre CNI oder zu früh Nierendiätfutter bekommen, was zu Muskelschwund führen kann). Ärzte sind auch nur Menschen, welche die absolute Weisheit und Wahrheit ebenso wenig gepachtet haben wie jeder andere Mensch. Jeder kann sich irren und niemand weiß alles. Das ist menschlich und verständlich und wird nur dann gefährlich, wenn man es nicht zugibt… Sei es Physiotherapie bei Knochen- und Gelenkproblemen, eine Ernährungsumstellung, Blutzuckermessen bei Diabetes (das ist leider auch für Tierärzte häufig noch Neuland) oder wie in unserem aktuellen Fall das Verabreichen von subkutanen Infusionen. Viele Dinge kann man selbst machen oder erlernen und so möchte ich jedem Tierhalter Mut machen, sich für sein Tier einzusetzen und vielleicht auch Dinge zu erlernen, die im ersten Moment nicht vorstellbar sind.

Vor ein paar Jahren hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich bei meinen (und auch fremden) Katzen den Blutzucker messen könnte oder gar subkutane Infusionen geben würde. Ich hatte große Angst davor, etwas falsch zu machen (diese Angst blieb während der kompletten Lernphase auch immer sehr hoch und ließ erst mit der Zeit und damit einhergehenden Übung immer mehr nach). Außerdem war ich davon überzeugt, dass sich Tiere gegen so etwas wehren würden und es für sie eine Qual wäre, die man ihnen doch lieber erspart. Tatsächlich ist es aber so, dass sich die Tiere an sehr viel mehr gewöhnen als man glaubt und insbesondere Behandlungen oft besser akzeptieren als die verhasste Tablette. Wichtig ist, dass Sie ein Vertrauensverhältnis zu Ihrem Liebling aufbauen (auch oder gerade in diesen Situationen) und dass Sie sich und Ihrem Liebling die Zeit zugestehen, die es braucht, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Es klappt vermutlich nicht beim ersten Mal und vielleicht sträubt sich Ihr Tier auch die ersten Male, weil es nicht weiß, was jetzt los ist. Das ist völlig natürlich und verständlich. Manche Tiere lassen sich nicht gerne fixieren und alle werden vor allem Ihre Anspannung spüren und Angst davor haben. Verknüpfen Sie die Behandlung unbedingt mit etwas Angenehmen. Kombinieren Sie es mit einer ganz besonders zärtlichen Streicheleinheit, einem tollen Leckerchen und zeigen Sie sich und Ihrem Tier, dass das alles eigentlich was ganz Tolles ist, das Sie noch enger zusammenschweißt. Bei meinen beiden habe ich schon früh mit dem Üben begonnen, bei Gina musste ich ins kalte Wasser springen als es ihr ganz plötzlich so schlecht ging. Gina war aber ein durch und durch gutmütiger Hund und es ging ihr zu Beginn der Behandlung so schlecht, dass sie sich ohnehin nicht allzu sehr hätte wehren können. Natürlich ist auch das eine Art, zu „üben“ – wesentlich besser ist es jedoch, wenn man früh genug damit anfängt und sich eben Zeit lassen kann.

Das Video zeigt, wie man eine subkutane Infusion vorbereitet und sie schließlich selbst durchführt. Jeder Schritt ist erklärend hinterlegt, aber dennoch ist mir extrem wichtig, dass Sie sich von einem Experten zeigen und erklären lassen, wie man infundiert. Bitte nehmen Sie nicht das Video als Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern lediglich als Lernhilfe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich bin Laie (!) und kann lediglich durch meine eigenen Erfahrungen helfen, Ängste abzubauen, die man als Halter häufig hat.  Unter http://www.katzendiabetes.info/infus.php beschreibt eine Tierärztin, wie subkutane Infusionen verarbreicht werden können. Diese Seite habe ich die ersten Male quasi auswändig gelernt und immer wieder geschaut, wie die einzelnen Schritte aussehen. Das erste Mal „live“ habe ich es zusammen mit meiner Tierärztin in der Praxis durchgeführt und erst dann alleine zu Hause.

Subkutane Infusionen können Ihrem Liebling in vielen Situationen helfen, ihm häufig unnötigen Stress beim Tierarzt ersparen und ihm  nicht selten auch das Leben retten. Egal, ob Ihr Liebling sich nur akut mit einem schlimmen Durchfall und damit einher gehendem Flüssigkeitsverlust quält, ob er/ sie eine lebensgefährliche Leber- und Bauchspeicheldrüsenentzündung oder auch Vergiftung hat oder ob er/ sie wegen einer eingeschränkten Nierenfunktion beim Entgiften des Körpers insgesamt unterstützt werden muss… Es gibt viele Anwendungsbereiche, in denen diese Infusionen helfen können.

Schauen Sie sich das Video einfach mal an und sprechen Sie bei Bedarf mit Ihrem Tierarzt, Ihnen diese wirklich einfache Methode zu zeigen und mit Ihnen zu üben: http://youtu.be/lvzjO-QNnX0


Katze

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2 Antworten zu dokumenTIERt: Subkutane Infusionen verabreichen

  1. Bettina schreibt:

    Danke für diesen informativen Beitrag, ich glaube, damit hätte ich meinem Strolch noch mehr helfen können, wenn ich nur etwas darüber gewusst hätte

    • Gerne. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wieviel man für seine Tiere machen kann. Aktuell lerne ich viel über Krankengymnastik und werde sicher auch den einen oder anderen Artikel darüber schreiben. 😉

Schnurr mir was...

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