Der Weg zurück


BaumDer Weg zurück in den Alltag fällt mir noch sichtlich schwer. Körperlich kam die Rechnung für die Anstrengungen der letzten Zeit seit dem vergangenen Wochenende immer stärker zum Vorschein und als wir Gina am Sonntag verabschieden mussten, brachen mehr oder minder alle Dämme. Mein Kreislauf bescherte mir Dauerachterbahnfahrten im Kopf, sehr wackelige Beine und ich behielt nahezu nichts längere Zeit in mir, was ich zu mir nahm. An Schlaf war auch nicht so recht zu denken, dafür sorgten wirklich schlimme Träume. Ich bin körperlich seit einigen Monaten ohnehin ziemlich desolat unterwegs und so entlud sich die Anstrengung mehr als heftig in körperlichen Symptomen. Tagsüber kam die Trauer in Wellen. Zunächst wie eine Flut, dann etwas weniger und jetzt „schüttelt“ sie mich über den Tag verteilt immer mal wieder, um mir zu zeigen, dass ich unser kleines Mäuschen noch nicht so schnell vergessen soll.

Cleo hat mich die vergangenen Tage eng begleitet. Normalerweise hat die Kleine nicht allzu viel mit mir am Hut, aber sie ist die Feinfühligere meiner beiden Fellnasen oder besser die „psychisch Stabilere“ und so ging Polly ein wenig auf Abstand, kuschelte für ihre Verhältnisse relativ wenig mit mir und machte dafür ihrer Schwester Platz. Cleo umschnurrte mich wie sonst kaum und gab mir vor allem in den schlimmen Momenten immer wieder Trost.

Gestern schließlich wendete sich das Blatt wieder. Ich wachte das erste Mal nach einem unschönen, aber nicht allzu schlimmen Traum auf und ging unter die Dusche. Dort überkam mich wieder die Trauer, doch als ich dieses Mal zu weinen begann, kam Polly ins Bad gerannt und maunzte, maunzte, maunzte – wollte gar nicht mehr aufhören und hüpfte aufgeregt vor der Duschkabine herum. Ich hockte mich runter und machte die Kabine einen Spalt auf. Polly lukte mit ihrem Näslein rein und stupste mich an als wolle sie sagen „Jetzt hast du aber genug getrauert. Jetzt geht es weiter.“ und setzte sich vor die Kabine… als wolle sie aufpassen, dass ich ja nicht wieder weinen würde.

Tatsächlich war der Tag insgesamt ok. Als mich meine Mutter anrief und meinte, ich solle an „ihre Stelle“ kommen, hatte ich einen Kloß im Hals. „Ihre Stelle“ – das ist der Waldrand, an dem wir immer mit Gina waren und an dem wir am Sonntag ihre letzten Stunden verbrachten. Dort wollte ich eigentlich nicht so schnell wieder hin. Auf dem Weg dorthin rollten auch wieder einige Tränen über mein Gesicht, doch als ich meine Mutter sah, musste ich doch wieder lächeln. Sie lief mit zwei kleinen Hunden den Feldweg entlang und strahlte – müde, traurig, aber dennoch strahlte sie. Sie hatte sich den Nachbarshund, Marko, „ausgeliehen“. Marko ist Luckys Bruder und sollte der Kleinen etwas Sicherheit geben. Seit Ginas Tod machen wir uns um Lucky ein wenig Sorgen. Vor allem am Dienstag war die Kleine völlig verunsichert. Sie zitterte und jammerte den ganzen Tag – ganz schlimm war es draußen, wo sie sich normalerweise an Gina orientierte und mit ihr immer eine ganz große Klappe hatte. Ohne Gina war sie ein kleines zitterndes Elend und so lieh sich meine Mutter also Luckys Bruder aus und siehe da: Lucky kreiste wie ein Propeller um den ebenso kleinen Kerl und war ganz ausgelassen. Tja und diese Drei so zu sehen, machte auch mein Herz leichter.

Es war ein guter Tag und heute Morgen schenkte mir meine kleine Cleo sogar über eine Stunde länger Schlaf als wolle sie mir auch zugestehen, meine Batterien langsam, aber sicher wieder aufzuladen. Ich werde noch gebraucht. Wir werden noch gebraucht, Mama. 😉 Es geht weiter und Gina bleibt für immer fest in unseren Herzen.

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Schnurr mir was...

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