kommenTIERt: Katzen auf die Couch


Nachdem ich von dem ersten Vicky Halls-Band „Die Katzenflüsterin“ begeistert war und die erste Amazon-Rezension zu dem Buch „Katzen auf die Couch“ einen positiven Vergleich dazu zog und das Buch auch von der Beschreibung her interessant klang, habe ich es mir schließlich gekauft. Die Tatsache, dass der Autor, John Wright, in den USA „praktiziert“, hätte mir vielleicht eine Warnung sein müssen. In der erwähnten Rezension wurde auch schon geschildert, dass der Autor davon erzählt, dass verhaltensauffällige Katzen dort häufig eingeschläfert werden (was er zu vermeiden versucht). Das scheint in den USA leider üblich zu sein. Über diesen Bezug hatte ich mir also keine Gedanken gemacht. Nur weil diese Verhaltensweise in den USA üblich ist, müsste ja der Autor nicht auch diese Einstellung haben.

Gut, ich habe es gelesen und da ich nicht nur über besonders gute Bücher schreiben möchte, sondern auch vor schlechten oder sogar aus meiner Sicht gefährlichen Büchern warnen möchte, schreibe ich diesen Artikel. Also zum Inhalt…

Das Buch orientiert sich stark an Fallbeispielen, die plastisch das Problemverhalten der jeweils beschriebenen Katze darstellen soll. An und für sich ist dieser Gedanke super. Allerdings kommen für mich bei vielen dieser Beispiele die Lösungsbeschreibungen zu kurz. Ich hatte mitunter den Eindruck, der Autor wolle mit möglichst vielen, flach beschriebenen Beispielen seine eigene Kompetenz unterstreichen und konzentriert sich weniger darauf, konkrete Lösungen auch für den Laien-Leser anzubieten. In meinem subjektiven Empfinden beginnt fast jede Geschichte mit dem Satz „ich zeige Ihnen, wie es geht“, dann werden Ratz-Fatz zwei bis drei Ansätze umgesetzt und schon geht es der Katze wieder gut. Dass die Realität leider oftmals sehr vielschichtig, langwierig und für den Halter enorm nervenaufreibend ist (gell, Kati? 😉 ), erwähnt der Autor dabei leider gar nicht oder die Botschaft kam bei mir nicht an.

Durch die Amazon-Rezension war ich schon vorgewarnt, dass in dem Buch immer wieder die Rede vom Einschläfern verhaltensauffälliger Katzen die Rede sein sollte und war entsprechend vorbereitet. Damit hätte ich entsprechend umgehen können, in dem Wissen, dass der Autor in einem Land lebt, in dem der Tierschutzgedanke ein anderer ist als in Deutschland (Gott sei Dank). Womit ich in der Summe aber nicht umgehen konnte, waren die zahlreichen haaresträubenden Selbstverständlichkeiten, mit denen der Autor hantiert. So scheint er z.B. bei jedem zweiten „Problem“ der Katze Beruhigungsmittel zu verabreichen. An einigen Stellen wird sogar von „ruhig stellen“ geschrieben. Beruhigungsmittel mögen in einigen Fällen durchaus ihre Berechtigung haben, aber es sollte doch wirklich ein überlegter Einsatz sein und nicht nur der „Ruhe des Halters“ dienen.

Spätestens als auch das vollständige Ziehen der Krallen für den Autor offenbar ein durchaus gängiges Mittel wurde, um die Katze zu „entschärfen“, ist mir der Hut hoch gegangen. In den USA leider offenbar gängige Praxis, ist das in Deutschland zum Glück verboten. Es gleicht einer Verstümmelung der Katze und ist für sie extrem schmerzhaft. Oftmals löst das Ziehen der Krallen sogar Verhaltensprobleme überhaupt erst aus.

So fällt meine Beurteilung des Buches insgesamt sehr negativ aus. Wenn ich mir ein solches Buch kaufe, tue ich das i.d.R., weil ich Laie bin und mehr über das Verhalten von Katzen lernen und wissen möchte, wie ich eventuelles Problemverhalten lösen kann. Die Gefahr, dass Leser nicht zwischen „guten“ Ratschlägen und gefährlicher Tierquälerei unterscheiden können, ist groß und machen daher das Buch für mich absolut nicht empfehlenswert. Selbst die vereinzelt guten Ansätze des Autors (ja, die gibt es auch), fallen da für mich nicht ins Gewicht, weil ich als Nicht-wissender-Leser diese ggf. eben nicht von sehr bedenklichen Methoden unterscheiden kann. Das ganze Buch ist auf die Zufriedenheit des Halters ausgelegt und wie man die Katze so einstellen kann, dass der Halter das hat, was ER will (und nicht unbedingt die Katze).

Da gibt es weitaus bessere Alternativen wie das schon erwähnte Buch von Vicky Halls (Die Katzenflüsterin), in welchem ebenfalls in Fallbeispielen das Verständnis für die Katze und ihrem Verhalten im Vordergrund stehen und nicht, wie ich das ohnehin schon unter Stress stehende Tier mit Beruhigungsmitteln ruhig stelle….

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5 Antworten zu kommenTIERt: Katzen auf die Couch

  1. Pingback: kommenTIERt: “Wenn Katzen älter werden” (Cadmos-Verlag) | Fellpopos Darmstadt

  2. Kati schreibt:

    Hi Carmen,
    Wie du schon so treffend geschrieben hast, kann sich so eine Problemlösung ganz schön hinziehen. Da kannst du mich gerne immer als Beispiel nennen 🙂 Bei mir dauert es schon über zwei Monate für die Vergesellschaftung eines neuen kätzischen Mitbewohners zu einer zweier Katzen-Mädels-WG. Aber wenn man dann Fortschritte sieht, vergisst man ganz schnell die lange Zeit des Wartens, Übens und Hoffens. Meine drei Katzen leben zwar noch innerhalb des Hauses getrennt, aber bald wird der entscheidende Moment kommen und sie werden direkt aufeinander treffen. Die Mühe
    ist es wert und ich würde nie wegen zuerst als unüberwindbar erscheinenden Probleme mein Tier einschläfern.
    Liebe Grüße
    Kati

    • Hallo Kati, zunächst: herzlich Willkommen in meinem Blog (oder vielmehr beim Kommentieren, dass du den Blog liest, weiß ich schon länger 😉 ). Ich finde es wunderbar, dass du dir so viel Mühe bei der Vergesellschaftung gibst. Leider haben nur die allerwenigsten diese Geduld. Meist landen die Neuankömmlinge im Nu wieder im Tierheim, wenn es nicht auf Anhieb klappt.
      Ich bin schon gespannt auf deinen Gastartikel. 😉

  3. vegan50plus schreibt:

    Von Vicky Halls gibt es auch noch ein Folgebuch: „Neues von der Katzenflüsterin“. Ich finde beide Bücher sehr gelungen und auch für katzenerfahrene Leute interessant.
    Ansonsten kann ich aber nur bestätigen, dass man in USA eine andere Einstellung zur Katzenhaltung hat. Auch ich bin schon über Bücher gestolpert, die sich mit schwierigen Katzen befassen und dort die Empfehlung zum Krallenziehen oder Beruhigungsmitteln gegeben wird. Beruhigungsmittel mögen als Zwischenlösung kurzfristig mal angebracht sein, sollten aber niemals ein Dauerzustand werden, denn dann stimmt was in der Katzenhaltung insgesamt nicht bzw. im Verhältnis zwischen Besitzer und Katze.

Schnurr mir was...

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